Gesundheit : Zwischen Angst und Ehrgeiz

Die Zukunft der Biotechnik

Adelheid Müller-Lissner

„Angst hat vor allem bei der öffentlichen Erörterung der grünen Gentechnik die nüchterne und sachliche Beurteilung der Chancen und Risiken fast vollständig verdrängt.“ Katherina Reiche, ihres Zeichens Vorsitzende der AG Bildung und Forschung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sieht einen Grund für die „deutsche Zögerlichkeit“ in Sachen Biotechnologie in der Haltung der Bundesregierung: „Die Befürworter betreiben ihre Aktivitäten nicht mit derselben Intensität wie die Gegner der Projekte.“ Die studierte Chemikerin dagegen findet klare Worte – auch zugunsten der Anwendung molekulargenetischer Methoden in der Landwirtschaft. Noch nie habe man in der Pflanzenzüchtung so genau gewusst, was man tue, wie heute. Ein kategorisches „Nein“ sei deshalb keine ethische Haltung. „Ich sage dies ganz bewusst als Naturwissenschaftlerin, Christin und Mutter.“

Vor kurzem wurde in der Konrad-Adenauer-Stiftung über „Bio- und Gentechnologie: Chancen für Deutschland“ diskutiert. Der Namensgeber und erste Kanzler der alten Bundesrepublik schien das vom Foto über dem Podium mit verschmitztem Lächeln zu kommentieren. Was stellenweise wie vorgezogener Wahlkampf klang, konnte im Ernst doch keiner sein: Dafür gehen die Fronten in der Bioethik-Debatte zu deutlich quer durch die Parteien. Vor allem beim Thema Stammzellforschung setzt etwa Reiches Parteifreundin Maria Böhmer die Akzente deutlich anders. Mit Blick auf die brandneue Nachricht von den koreanischen Klonversuchen bekräftigte Böhmer, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, die Entscheidung für ein generelles Klonverbot. Man müsse die Chancen der Forschung betonen, ohne die Risiken aus dem Auge zu verlieren.

Wolf-Michael Catenhusen, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, erklärte sich dagegen „zu 80 Prozent“ mit Reiches Ausführungen einverstanden. Er nannte als Ziel, Deutschland im Wettbewerb mit Großbritannien und Frankreich zum „Biotechnologie-Standort Nummer zwei hinter den Vereinigten Staaten zu machen“. Noch in diesem Sommer werde die Bundesregierung ein Gesetz zur Gendiagnostik vorlegen.

Weil man in Deutschland stark auf den praktischen Nutzen der Biotechnologie schaue, sei die Akzeptanz für die „rote“, medizinisch interessante Genforschung überwältigend. Bei der grünen Gentechnik sehe die Bevölkerung dagegen nicht den Nutzen. Einerseits, weil hierzulande niemand hungern muss, möglicherweise aber auch „auf Grund eines falschen Naturverständnisses“. Lebensmittel, resümierte Catenhusen nüchtern, „entziehen sich der rationalen Betrachtungsweise“.

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