Gesundheit : Zwischen Beirut und Berlin

Zum Tod von Fritz Steppat

Wolfgang G. Schwanitz

Den jüngsten Krieg zwischen Israel und dem Libanon hat Fritz Steppat nicht mehr wahrnehmen können. Er verstarb am 7. August nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren. Die Gewalt hätte den Doyen der Berliner Islamwissenschaft sicher sehr bewegt. Steppat war ein Mittler zwischen den Kulturen. Und wenn es zwei arabische Zentren gab, mit denen er sich speziell verbunden gefühlt hat, so waren es Kairo – und Beirut.

Steppat, zwischen 1969 und 1990 Professor am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität, war ein Wegbereiter einer gegenwartsbezogenen und zugleich historisch fundierten Orientalistik. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann der gebürtige Chemnitzer mit dem Studium der Islamwissenschaft in Berlin. Ein journalistisches Intermezzo führte ihn auch zum Münchner Merkur und ein Jahr an eine Medienschule in den USA. Doch das Interesse an der Forschung obsiegte. Ermutigt durch seinen verehrten Lehrer Walther Braune, promovierte er an der FU. Steppat lotete hierbei den Nationalismus bei Mustafa Kamil aus, Gründer der Nationalpartei Ägyptens.

Solche arabischen Nationalisten, die vor dem Ersten Weltkrieg Parteien etablierten und im Ringen gegen die Briten und die Franzosen ihre Länder entkolonialisierten, wollten zweierlei: ihren eigenen Staat und einen reformierten Islam. Ersteres gelang ihnen, letzteres aber nicht. Im Gegenteil stieg der Islam in einer fundamentalistischen Woge zur globalen Macht auf.

Mit Haut und Haar tauchte Fritz Steppat in diese Welt als Gründungsdirektor des Goethe-Instituts Kairo ein. In einfühlsamen Berichten schilderte er seine Beobachtungen auch in deutschen Medien. An der Wende zu den 60er Jahren kehrte er nach Berlin zurück und habilitierte sich zur Geschichte des Schulwesens am Nil. Zwei Jahre nach dem Berliner Mauerbau wurde er Direktor des Beiruter Orient-Instituts. Damals galt der multikonfessionelle Libanon als Schweiz in Nahost. Flüssig in Arabisch, erkundete Steppat den „Islam als Partner“, wie der Titel eines exzellenten Bandes des Ergon-Verlags mit Steppats Texten aus 50 Jahren heißt.

Ordinarius am Berliner Institut für Islamwissenschaft wurde er 1969. Jahrzehnte erblühte dieses Haus durch ihn an der FU. Nach dem Mauerfall führte er das Forschungszentrum Moderner Orient aus der Akademie der Wissenschaften. Steppat und seine Frau Gertraud verliehen der Berliner Orientalistik eine zutiefst menschliche Qualität. Überdies stifteten sie ihre üppige Bibliothek dem Zentrum Moderner Orient. Fritz Steppat wirkt in seinen Schülern und Werken fort.

Der Autor ist Nahosthistoriker und forscht in den USA.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben