• Gesundheitsgefahren durch Strahlung: Vereinte Nationen sehen nur geringe Belastung in Fukushima

Gesundheitsgefahren durch Strahlung : Vereinte Nationen sehen nur geringe Belastung in Fukushima

Zwei Organisationen der Vereinten Nationen haben erste Einschätzungen nach der Atomkatastrophe vom 11. März 2011 veröffentlicht. Demnach halten sich die Gesundheitsgefahren durch den Atomunfall in Grenzen.

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Trommeln gegen die Atomkraft. Die Demonstrationen gegen die Nuklearenergie in Japan werden seit der Katastrophe in Fukushima immer größer. Aktuell ist keines der 54 japanischen Atomkraftwerke mehr am Netz, weil sie beim Tsunami beschädigt wurden oder weil sie zur Wartung abgeschaltet wurden. Die japanische Regierung will die Anlagen zwar wieder in Betrieb nehmen, doch fürchtet sie Proteste.
Trommeln gegen die Atomkraft. Die Demonstrationen gegen die Nuklearenergie in Japan werden seit der Katastrophe in Fukushima immer...Foto: dpa

Die Strahlenbelastung nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Wissenschaftlichen Strahlen-Komitees der Vereinten Nationen (Unscear) relativ gering. Die WHO hat eine erste Einschätzung vorgelegt. Unscear diskutiert derzeit bei seiner Jahrestagung über das Studiendesign für eine Untersuchung der Gesundheitseffekte, die Ende 2013 veröffentlicht werden soll.

Die WHO kommt in ihrer ersten Einschätzung zu dem Schluss, dass die Bevölkerung einer Strahlendosis zwischen zehn und 50 Millisievert ausgesetzt gewesen sein könnte. Das sei unbedenklich, schreibt die WHO in ihrer Studie. Allerdings schränken die Autoren ein, dass diese Werte auf Schätzungen beruhten. Akkurate Daten liegen weder der WHO noch Unscear vor. Zwar gibt es bei japanischen Behörden wie bei der Betreiberfirma Tepco eine Reihe von Untersuchungsergebnissen, doch diese sind von Unscear bisher zwar angefordert worden, liegen ihm aber nur teilweise vor.

Unscear hat zunächst eine erste Einschätzung des Risikos für die Arbeiter vorgelegt. Nach dem Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 war es in drei Reaktoren zu einer Kernschmelze gekommen, aus einem Brennelementebecken Strahlung entwichen. Nach Unscear-Erkenntnissen waren bis zum 31. Januar 2012 insgesamt 20 115 Menschen mit Notfall- und Aufräumarbeiten in Fukushima beschäftigt. 17 Prozent der Arbeiter sind bei Tepco angestellt, 83 Prozent waren bei Subunternehmen beschäftigt. 66 Prozent der Arbeiter haben Strahlendosen bis zu zehn Millisievert abbekommen. Bei sechs Arbeitern waren es mehr als die erlaubte Höchstdosis für Notfälle, 250 Millisievert. 167 Arbeiter haben eine Strahlendosis von mehr als 100 Millisievert aufgenommen.

Nach Einschätzung von Michael-John Atkinson, Mitglied der Strahlenschutzkommission (SSK), ist die relativ geringe Strahlenbelastung der Bevölkerung vor allem darauf zurückzuführen, dass die japanischen Behörden die betroffenen Gebiete schnell evakuiert haben.

Am Donnerstag gab Tepco übrigens zu, dass in den ersten Tagen nach der Atomkatastrophe mehr als doppelt so viel Strahlung ausgetreten ist, als bisher angenommen. Bei der Kernschmelze in drei der sechs Reaktoren wurden etwa 900 000 Terabequerel freigesetzt, teilte Tepco mit. Das ist 2,5 Mal so viel wie von der japanischen Atomsicherheitsbehörde im April 2011 geschätzt. Mehr als 99 Prozent der Radioaktivität sei in den ersten drei Wochen ausgetreten. Sie entspreche einem Sechstel der bei der Atomkatastrophe in Tschernobyl freigesetzten Menge, teilte Tepco weiter mit. Da die Messgeräte in der Nähe der havarierten Atomkraftwerke wegen des Erdbebens und des darauf folgenden Tsunami ausgefallen waren, beruht die neue Schätzung auf Daten der japanischen Regierung und Messergebnissen in größerer Entfernung. (mit Reuters)

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