Welt : Gesunkenes U-Boot: "Die Kursk zerstörte sich mit vier Torpedos selbst"

Elke Windisch

Das im August in der Barentssee gesunkene russische Atom-U-Boot Kursk ist vermutlich durch die Selbstaktivierung eines Torpedos und die Initialzündung von weiteren drei bis vier Torpedos beschädigt worden. Nach mehr als zwei Monaten Funkstille über die Ursache des Unglücks, bei dem 120 Mann an Bord starben, machten russische Experten jetzt Fehler in der Programmsoftware für die Zündung verantwortlich. Das, so ein Seeoffizier, würden auch die Aufzeichnungen von US-Seismographen bestätigen.

Igor Spasskij, der Chef des St. Petersburger Konstruktionsbüros "Rubin", in dem die Kursk entwickelt worden war, sagte dem Privatsender NTW, "Rubin"-Experten seien inzwischen "ziemlich genau informiert über den Hergang der Katastrophe und deren Ursachen". Für die Tragödie sei eine äußerst seltene Verkettung von "unglücklichen, ich würde sogar sagen, schier unglaublichen Umständen verantwortlich".

Die offizielle Version Moskaus, die Kursk sei mit einem U-Boot der Nato zusammengestoßen, "erlebe offenbar ihre letzten Tage", kommentierte NTW die Äußerungen Spasskijs. Der hatte zudem eingeräumt, dass die Marinetaucher bei den Bergungsarbeiten entgegen offizieller Darstellungen doch in den vierten Sektor und sogar in dessen Oberdeck vorgedrungen waren. Sie sollen das Logbuch, weitere Dokumente und Wrackteile geborgen haben, die eine recht präzise Rekonstruktion der Katastrophe ermöglichen.

Einschlägige Erkenntnisse werden nach Informationen des Senders jedoch erst öffentlich gemacht werden, wenn sich jemand "ganz oben" dazu durchringt, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Angesichts der Brisanz und der öffentlichen Aufmerksamkeit kommt dafür nur Wladimir Putin in Frage. Dem russischen Präsidenten wird jedoch zugetraut, dieses Eingeständnis noch lange hinauszuzögern, um dann nur ein politisches Bauernopfer zu bringen.

Bis dahin trifft die Formulierung des Konstrukteurs Spasskij für jede anzunehmende Ursache für das Unglück zu, sagt auch Konteradmiral Nikolaj Murmelj: "schier unglaubliche Umstände".

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