Welt : Geteiltes Glück

Zwei Westfalen gewannen den Lottojackpot von 26,7 Millionen Euro – Experten raten ihnen zu „Demut“

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Potsdam/Münster Die Jagd auf den Rekord-Jackpot ist vorbei: Den mit rund 26,7 Millionen Euro bislang größten Lotto-Jackpot in Deutschland teilen sich zwei Gewinner aus Westfalen. Die vorweihnachtlichen Glückspilze hatten bei der Mittwochsziehung als bundesweit Einzige die sechs Richtigen – 6 - 13 - 19 - 34 - 45 - 48 – angekreuzt und die korrekte Superzahl 9 auf ihrem Schein, sagte der Geschäftsführer der federführenden Land Brandenburg Lotto GmbH, Horst Mentrup, am Donnerstag in Potsdam. Sie können sich über einen Geldsegen von jeweils rund 13,3 Millionen Euro freuen. Beide nahmen noch am Donnerstag Kontakt zur nordrhein- westfälischen LottoZentrale in Münster auf. Der Super-Jackpot hatte bundesweit für einen riesigen Ansturm auf die Annahmestellen gesorgt. Lotto-Gesellschaften sprachen von einem „Goldrausch-Feeling“. In einigen Annahmestellen wie etwa in Thüringen waren zeitweise sogar die Spielscheine knapp geworden. „Insgesamt haben die Tipper fast 97 Millionen Euro eingesetzt – das ist für die Mittwochsziehung ein Rekord.“ Im Vergleich zum Mittwoch der Vorwoche habe das Umsatzplus bei nie erwarteten 115 Prozent gelegen. Laut Mentrup wurden viele Menschen angesteckt, die sich sonst nicht beteiligen. Auch aus den Nachbarländern reisten die Glückssucher an.

Immerhin sechs Richtige erzielten gleich acht Spieler bundesweit. Sie streichen jeweils rund 483000 Euro ein. Von diesen Glückspilzen kommen drei aus Bayern, zwei aus Berlin, einer aus Hessen, einer aus Niedersachsen und einer aus Schleswig-Holstein.

Wie sollen sich Lottogewinner verhalten? Manche brechen in Tränen aus, andere sitzen wie versteinert da und wieder andere fallen dem Lotto-Glücksboten überschwänglich um den Hals: „Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das frisch gebackene Millionäre durchleben“, sagte der Glücksbote.

Experten raten zur Demut. Für alle Gewinner hat der Glücksbote wichtige Verhaltensratschläge parat: „Sie sollten absolut dichthalten, am besten für immer, und für eine längere Zeit so weiterleben wie bisher.“ Ansonsten könnten Stapel an Bittbriefen eintreffen oder die Zahl so genannter Freunde und Bekannter könnte sich schnell verhundertfachen. Auch die windiger Anlageberater.

Gleich beim ersten telefonischen Kontakt mit dem Gewinner rät der Bote diesem: „Erst einmal nichts von einem Lotto-Gewinn, gleich in welcher Höhe, erzählen und in Ruhe überlegen, wen binde ich aus dem engsten Familienkreis ein.“ Dann werde ein persönliches Treffen in der Lotto-Gesellschaft oder bei dem Gewinner zu Hause vereinbart.

„Fahre ich zu dem Glückspilz, dann bin ich überaus vorsichtig, schaue immer wieder in der Rückspiegel, denn die Anonymität des Gewinners hat oberste Priorität.“ Einen Geldkoffer mit dem Millionen-Gewinn habe er allerdings bei diesem Besuch nicht dabei.

Dass viel Geld tief ins Unglück führen kann, haben manche Lotto-Millionäre gezeigt. Dabei muss es nicht so schnell gehen wie bei einem 37-Jahre alten Koch aus den USA, der wenige Tage nach dem Gewinn von 3,6 Millionen Dollar einer Herzattacke erlag. Der Stress habe ihn umgebracht, klagten seine Angehörigen.

Jahrelang für eher traurige Schlagzeilen sorgte „Lotto-Lothar“, der bekannteste Fall eines unglücklichen Gewinners in Deutschland. Als der Arbeitslose 1994 rund 3,9 Millionen Mark gewann, stieg er von billigem No-Name-Dosenbier auf Markenpils um, kaufte einen Lamborghini und liebte fortan vor allem Alkohol, Partys und schöne Frauen. Fünf Jahre nach seinem Millionengewinn war „Lotto-Lothar“ tot. Witwe und Freundin stritten um sein Erbe. Auch einer der ersten deutschen Lotto-Gewinner wurde nicht richtig glücklich. Der Hotelbesitzer hängte 1956 ein Schild vor die Tür: „Wegen Reichtums geschlossen.“ Er starb im Obdachlosenasyl.

Derzeit macht in Thüringen ein zuvor unbescholtener arbeitsloser Mann von sich reden, der vor acht Jahren 1,5 Millionen Mark gewonnen hat. Er ist jetzt Serieneinbrecher. dpa

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