• Gewalt in Schweden: Mordserie in Malmö - Spekulationen um rechtsradikalen Hintergrund

Gewalt in Schweden : Mordserie in Malmö - Spekulationen um rechtsradikalen Hintergrund

Acht Menschen wurden in jüngster Zeit in der schwedischen Stadt getötet. Die Konfliktlage dort ist verworren. Als Urheber der Gewalt kommen Rechtsradikale, aber auch kriminelle Banden in Frage.

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Tod in den Straßen. Angehörige demonstrierten am 11. Januar beim Begräbnis des 15-jährigen Ardiwan Samir.
Tod in den Straßen. Angehörige demonstrierten am 11. Januar beim Begräbnis des 15-jährigen Ardiwan Samir.Foto: REUTERS

Aus dem nächtlichen Hinterhalt erschoss ein rechtsextremer Heckenschütze in Malmö jahrelang völlig willkürlich Menschen, die wie Einwanderer aussahen. Die trauten sich wegen des Terrors eine Zeit lang nicht mehr auf die Straße. Der Heckenschütze wurde 2010 gefasst. Die Erleichterung war groß. Doch die Gewalt auf Malmös Straßen will nicht abreißen. Im Gegenteil. Derzeit nimmt sie weiter zu. Der in Haft sitzende Heckenschütze bekannte sich als Rechtsradikaler. Wie viele Morde auf sein Konto gehen, ist noch unklar, sein Prozess wurde wegen der laufenden Ermittlungen gerade ein weiteres Mal verschoben. Was die Schweden aber beunruhigt, ist die Tatsache, dass das Morden auch nach der Verhaftung des Heckenschützen weitergeht. Hat er Komplizen? Handelt es sich um eine Terrorzelle wie in Deutschland? Belege dafür gibt es nicht, aber seit den Enthüllungen in Deutschland über die Nazi-Terrorzelle, die jahrelang unbehelligt operieren konnte, ist die Sensibilität größer geworden.

Die Polizei der Südregion Schonen, zu der Malmö gehört, ermittelt in acht Mordfällen durch Schusswaffen, zumeist begangen nach dem Jahreswechsel. Dass weitere Morde und Schießereien folgen, hält die Mordkommission für wahrscheinlich. „Wir hoffen das Beste, bereiten uns aber auf das Schlimmste vor“, sagte Polizeichef Börje Sjöholm am Freitag dem schwedischen Radio SR. Börje hält allerdings rivalisierende Verbrecherbanden für die Urheber der neuen Gewalt. Die Sonderermittlungsgruppe umfasst 300 Beamte. Die Operation, bei der die Malmöer Polizei für das ganze Jahr Polizei aus den anderen schwedischen Regionen anfordern darf, trägt den Namen „Alfred“. Zahlreiche Schusswechsel sollen von Kriminellen mit Migrationshintergrund stammen, heißt es in lokalen Medien. Es sei vor allem schwer, Zeugen zu finden, sagt die Polizei. Die meisten, die bei einem Schusswechsel alles gesehen haben müssten, hätten Angst und seien nicht bereit auszusagen. Mehrere Männer zwischen 17 und 34 konnten Anfang der Woche zwar festgenommen werden. „Die Beweislage für eine Verlängerung der Untersuchungshaft ist aber zu dünn“, befindet zumindest der Verteidiger Sven-Eric Ohlsson.

Ein Bezug zu Rechtsextremen wird von der Polizei zwar nicht ausgeschlossen aber für wenig wahrscheinlich erachtet. Im südschwedischen Malmö leben viele Einwanderer. Konservativen gilt vor allem der Stadtteil Rosengård als unheimliches Pflaster. Anderen ist er ein lieb gewonnener Stadtteil mit zahlreichen Minderheiten. In Malmö gaben 45 Prozent der Bewohner an, dass ihre Angehörigen bereits einmal Opfer von Kriminalität wurden. Spätestens seit dem rechtsextremen Heckenschützen ist die Sensibilität im Lande für die Gewalt in Malmö deutlich angestiegen. Die oppositionellen Sozialdemokraten erzwangen am Freitag eine Debatte im Parlament über die neue Gewalt und forderten dabei ein strengeres Waffenrecht.

In Malmö, wo die Rechtspopulisten großen Zulauf hatten, gibt es zudem eine Auseinandersetzung um antijüdische Vorfälle. So gibt es Klagen aus der jüdischen Gemeinde, ihre Mitglieder würden auf offener Straße von muslimischen Einwanderern beschimpft und bedroht. Der sozialdemokratische Bürgermeister musste sich entschuldigen, weil er die Klagen der jüdischen Gemeinde als übertrieben bezeichnete. Sprecher der Gemeinde erklärten, der Judenhass stamme nicht mehr in erster Linie von Rechtsextremen, sondern von Einwanderern aus muslimischen Ländern. Die Konfliktlage ist ziemlich verworren in Malmö.

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