Welt : Gezeichnet vom Leben

Angehörige, Lebenspartner und Kollegen von Opfern des 11. September ließen sich als Ausdruck der Verbundenheit tätowieren – eine Ausstellung

Matthias B. Krause[New York]

Von Matthias B. Krause,

New York

Francis Coppola sah seinen Lebenspartner zum letzten Mal in der Lobby des Nord-Towers vom World Trade Center. Coppola erkannte ihn unter den Feuerwehrmännern, die gerade dabei waren, die Treppen des brennenden Gebäudes hinaufzusteigen, um die Menschen zu retten. Der Polizist bedeutete seinem Freund in ihrer persönlichen Zeichensprache: „Ich liebe dich." Der morste zurück: „Ich liebe dich auch." Dann gingen beide ihrer Arbeit nach.

247 Tage verbrachte Coppola am Ground Zero, um nach den sterblichen Überresten seines Partners zu suchen. Eines Morgens, als er erschöpft aufwachte, um die aussichtslose Suche fortzusetzen, hatte er eine Idee: Er würde seiner Liebe ein Zeichen setzen. Er entschied sich, sein linkes Schienbein tätowieren zu lassen. Dort zieren nun ein Feuerwehrmann und ein Polizist, deren Köpfe aus den Twin Towers erwachsen, die Haut.

Zu sehen ist das Bild von Coppola und seinem Tattoo seit einiger Zeit im Staten Island Historical Society Museum, New York. Der Fotograf Vinnie Amessé arbeitet normalerweise überwiesend für das Historische Museum in Richmond Town ( www.richmondtown.org ), das sich zur Aufgabe gemacht hat, das Leben, wie es früher hier war, darzustellen. Nach den Anschlägen vom 11. September richtete die örtliche Feuerwehr eine Beratungsstelle für ihre Angestellten und die Angehörigen von Opfern direkt neben dem Studio des Fotografen ein. Dort sah Amessé zum ersten Mal, dass viele von ihnen sich die Erinnerung an die verlorenen Menschen hatten in die Haut stechen lassen. „Ich dachte mir, das wäre ein wundervolles Projekt", erinnert sich der Fotograf. Die Tätowierungen sind so unterschiedlich wie die Menschen und ihre Erinnerungen. Manchmal aufwändige Bilder mit fast kitschiger Symbolik. Manchmal aggressiv, zuweilen dezent. Wie etwa die der drei Schwestern von Feuerwehrmann Rob Curatolo, der auch am 11. September starb. Gemeinsam mit ihrer Schwägerin ließen sie sich das Symbol seiner Feuerwehr-Marke oberhalb ihrer Knöchel tätowieren.

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