Welt : Gift für Babys verboten

Die EU zieht drei Weichmacher aus dem Verkehr

Dagmar Dehmer

Brüssel/Berlin - Die Europäische Union will drei umstrittene Weichmacher in Plastikspielzeugen verbieten. Drei weitere dieser so genannten Phthalate sollen für Gegenstände, die von Kindern unter drei Jahren in den Mund genommen werden könnten, nicht mehr verwendet werden. Wenn das Europäische Parlament dieser politischen Einigung des Rates zustimmt, könnten die sechs Stoffe zwanzig Tage später endgültig aus Spielzeugen in Europa verbannt werden.

Am Freitag hat der Wettbewerbsausschuss des Europäischen Rates entschieden, die drei Weichmacher DEHP (Diethylhexylphthalat), DBP (Dibuthylphthalat) und BBP (Bezylbuthylphthalat) endgültig als Bestandteil von Kinderspielzeug zu verbieten. Die drei Stoffe gelten als erbgutverändernd und hormonell wirksam. DEHP soll mit dazu beitragen, dass die Zeugungsfähigkeit von Männern immer weiter abnimmt. DEHP ist in einer Vielzahl von Produkten enthalten. Die jährliche Produktion des Stoffes liegt bei rund 500 000 Tonnen. Drei weitere Stoffe, die ebenfalls verwendet werden, um Kunststoffe elastisch zu machen – DINP, DIDP und DNOP – sollen zumindest von Kleinkindern ferngehalten werden. Über die Gefährlichkeit dieser Stoffe ist sich die Fachwelt noch uneinig.

Seit 1999 galt für die sechs umstrittenen Stoffe ein Notverbot, das jedoch alle sechs Monate verlängert werden musste. In Spielzeug, das dazu gedacht ist, von Babys und Kleinkindern in den Mund genommen zu werden, sind diese Stoffe ohnehin nicht mehr enthalten. Allerdings kann nun auch der Import solcher Produkte nach Europa gestoppt werden.

Das Europäische Verbraucherbüro lobte die Entscheidung als „entscheidend für den Schutz der verletzlichsten Verbraucher“. Verbraucherschützer in Berlin kritisierten den Beschluss aber als „viel zu spät“. Außerdem würden nicht alle Weichmacher gleich behandelt. Die WWF-Chemieexpertin Ninja Reineke sagte: „Das ist ein lang überfälliger Erfolg für den Schutz der Gesundheit von Kindern.“

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