Giftige Substanzen : Angst vorm Fliegen

Gift in der Kabinenluft – umfassende Studien gibt es keine, dafür aber umso mehr Ängste. Es geht um das Nervengift TCP, das in geringer Dosis im Triebwerksöl enthalten ist.

von

Je unbestimmter eine Gefahr ist, umso mehr weckt sie Ängste. Und wenn dann noch ein angebliches „Geheimpapier“ auftaucht, dann steht der Hysterie nichts mehr im Wege. Geraten giftige Substanzen in die Luft von Cockpit und Flugzeugkabine? Diese Frage ist schon etwas älter, und sie treibt die Fluggesellschaften auch schon länger um. Sie wurde als Erstes von Piloten und Flugbegleitern aufgeworfen, die Beschwerden hatten. Die Pilotengewerkschaft Cockpit spricht von „weltweit 500 Fällen“. „Wir verlangen eine unabhängige Untersuchung, welche Gifte in welcher Konzentration in das Cockpit und die Kabine gelangen“, sagte Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, dem Tagesspiegel.

Genau hier liegt das Problem. Es gibt bisher keine fertigen wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema. In England sind solche Studien in Arbeit, Ergebnisse sind aber erst viel später zu erwarten.

Für die Fluggesellschaften stellt sich das Problem, dass eine interne Diskussion unter Piloten und Flugbegleitern auf die Passagiere übergreift und für Unruhe sorgt. Deshalb hat der Bund Deutscher Fluggesellschaften (BDF) angefangen, sich damit zu beschäftigen, und ein erstes internes Papier verfasst, in dem die Notwendigkeit betont wird, sich dem Thema zu stellen. Es geht um das Nervengift TCP, das in geringer Dosis im Triebwerksöl enthalten ist. Es kann, da die Kabinenluft aus dem Triebwerk kommt, theoretisch in verdampfter Form in die Kabinenluft gelangen, wenn das System schadhaft ist. Ein Lufthansa-Sprecher erklärte, eine aktuelle Messung mit sehr genauen Messsystemen in verschiedenen deutschen Flugzeugen habe ergeben, dass TCP in der Kabinenluft nicht nachweisbar war. Solche einzelnen Messungen reichen aber nicht aus.

In den vergangenen vier Jahren sei dem medizinischen Dienst der Fluggesellschaft aber kein einziger Fall dokumentiert worden, bei dem ein Mitarbeiter neurologische Symptome gehabt hätte, die auf TCP-verseuchte Kabinenluft hätte zurückgeführt werden können, sagte der Sprecher. Bei vereinzelten „smoke incidents“ hätten Mitarbeiter über Reizungen an Augen und Atemwegen geklagt, nicht aber über TCP-typische Symptome. Bei der Berufsgenossenschaft für Verkehr sind in dieser Sache deutschlandweit neun Fälle von Berufskrankheiten angezeigt worden. Ihre genaue Aufklärung wird noch längere Zeit andauern.

Solange es keine belegbaren Fakten gibt, werden die Fluggesellschaften Mühe haben, den jetzt verbreiteten Ängsten entgegenzutreten. In Ländern mit extensiver Schadenersatz-Rechtsprechung kann es für die Airlines zudem teuer werden. In Australien hat eine Flugbegleiterin schon 140 000 Dollar Entschädigung erstritten.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben