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Giraffen auf der Roten Liste : "Das größte globale Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier"

Nicht nur der Bestand der Giraffen sinkt drastisch. Neben vielen Vogelarten sind auch wilde Verwandte der Sonnenblume bedroht - der WWF sieht Gefahr für die Menschheit.

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Giraffen stehen im Lake Manyara Nationalpark in Tansania.
Giraffen stehen im Lake Manyara Nationalpark in Tansania.Foto: dpa

Giraffen finden sich in nahezu jedem Kinderbuch, bei dem es um exotische Tiere geht. Es sind anmutige, faszinierende Lebewesen. Kinder lieben sie. Doch nun muss den Kleinen jemand erklären, dass es diese Tiere, die größten Land-Säugetiere der Erde, vielleicht bald nicht mehr geben könnte, zumindest nicht in freier Wildbahn. Denn die Giraffen sind vom Aussterben bedroht. Das hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) mit Sitz in Gland am Genfer See am Mittwoch auf der UN-Artenschutzkonferenz im mexikanischen Cancún bekanntgegeben. In den vergangenen 30 Jahren sei die weltweite Population der Tiere um knapp 40 Prozent gesunken.

Von der Nordgiraffe soll es weniger als 5000 Exemplare geben, von der Netzgiraffe nur noch etwa 8000. Nimmt man alle vier Arten zusammen, gibt es demnach nur noch 100.000 Tiere, Zootiere nicht mitgezählt. Damit rückt die Giraffe auf der neuen roten Liste von der Kategorie „ungefährdet“ auf „gefährdet“. Schuld ist der Mensch: Illegale Jagd, zerstörte Lebensräume, immer größere Landwirtschafts- und Bergbauflächen sowie politische Unruhen setzen Herden wie Einzelgängern zu.

Doch nicht nur die Giraffe findet sich jetzt in dieser Kategorie: Von rund 740 in jüngster Zeit entdeckten Vogelarten sind elf Prozent vom Aussterben bedroht. Viele Arten würden schon verschwinden, bevor man sie überhaupt näher beschreiben könnte, sagte IUCN-Chefin Inger Andersen. 13 der jüngst entdeckten Vogelarten seien bereits ausgestorben. „Die aktuelle Liste zeigt, dass das Ausmaß des Artensterbens größer ist als gedacht“, sagte Andersen.

Giraffen-Quartett
Markant. Das Muster der Netzgiraffe (hier in Samburu in Kenia) ist am einfachsten wiedererkennbar. Aber es gibt noch drei weitere Arten.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: J. Fennessy, GCF
08.09.2016 17:18Markant. Das Muster der Netzgiraffe (hier in Samburu in Kenia) ist am einfachsten wiedererkennbar. Aber es gibt noch drei weitere...

Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschlands, sieht bei dieser Entwicklung sogar den Menschen in seiner Existenz bedroht, er spricht vom „größten globalen Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier“, das wir derzeit erleben würden. "Wenn wir nicht endlich aufhören unseren eigenen Lebensraum und unsere eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören, laufen wir Gefahr, irgendwann auch auf der Roten Liste zu landen." Die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten seien wichtige Stellschrauben für das Funktionieren der Ökosysteme der Erde und diese wiederum geben dem Menschen Nahrung, sauberes Wasser und andere Rohstoffe. „Wenn immer mehr Arten verschwinden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das System kollabiert.“

Um Löwen und Elefanten steht es nicht besser

Sicherlich wird der Mensch auch weiterleben, wenn es die Giraffe nicht mehr geben sollte. Aber auf der Roten Liste stehen auch wilde Verwandte von Gerste, Hafer und Sonnenblumen. Diese sind wichtige Genquellen für neue Nutzpflanzen. Landwirtschaftliche Expansion lasse ihren Lebensraum schrumpfen und mache ihnen damit zu schaffen, erzählt Brandes. Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Wohlstand dürfe nicht zulasten natürlicher Ökosysteme gehen. Insgesamt wurden bislang 85.604 Tier- und Pflanzenarten für die Rote Liste der IUCN untersucht. 24.307 davon sind bedroht.

Auch um einige andere gern gesehene Tiere in Bilderbüchern steht es nicht gut: Forscher schätzen die Zahl der Elefanten auf 352.271 in 18 afrikanischen Staaten. Einst lebten 20 Millionen Elefanten in Afrika. Auch die Zahl der Löwen schwindet: Ihre Zahl in freier Wildbahn wird auf 20.000 geschätzt. Schuld ist der Mensch, vor allem die Wilderei. Doch das ist laut Brandes vom WWF nicht der einzige Grund: „Wir müssen die nachhaltige Nutzung zu einer der obersten Handlungsmaximen von Politik und Wirtschaft machen, um den Druck von den natürlichen Lebensräumen zu nehmen. Das kann nur gelingen, wenn wir unseren ökologischen Fußabdruck verringern.“ (mit dpa)

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