Welt : Gladiatorenschule: Nero, dein Handy!

Roxana Popescu

Der Schweiß perlt auf der Stirn, die Augen funkeln wild entschlossen, das Gesicht ist zur Grimasse verzerrt während sich die Kämpfer umkreisen. Mitten in den Schwerthieb ertönt eine scheppernde, elektronische Melodie. "Nero, dein Handy!", ruft einer in den Ring. Die Zeiten ändern sich eben, auch an der Gladiatorenschule in Rom, wo jetzt statt um Leben und Tod nur zum Vergnügen gefochten wird.

Zwei Mal in der Woche treffen sich die angehenden Gladiatoren, Legionäre und Amazonen zum Training, lernen etwas über Geschichte, Theorie und Praxis der Kampftechniken im alten Rom. Zehn Autominuten - oder 30 Minuten mit dem Streitwagen - vom Colosseum entfernt liegt die Scuola Gladiatori Roma etwas außerhalb der Stadt an der Via Appia. Die Schüler zahlen 200 000 Lire, umgerechnet 202 Mark, für einen zweimonatigen Kurs und die entsprechende Ausrüstung. Die Preise seien so niedrig, weil "wir es nur für uns, nur zum Spaß machen", erklärt Nero, der Leiter der Schule, der eigentlich Sergio Iacomoni heißt. "Das Geld brauchen wir nur für Miete und Strom."

Nach dem ersten Training mit Holzschwert und einem rund sechs Kilogramm schweren Schild dürfen die geübteren Gladiatoren zu ausgefeilteren Waffen greifen. Und davon gab es im alten Rom genug. Da gibt es drei verschiedene Helmarten, Speer, Axt, Dreizack und anderes mehr. Dazu Kettenhemden und Umhänge. Iacomoni erklärt, er habe sich für die Entwicklung der Kleidung intensiv mit den römischen Mosaiken und Kunstwerken beschäftigt. Vielen hat aber der Kinohit "Gladiator" den Anstoß gegeben, sich mit den Gladiatoren im alten Rom zu beschäftigen. "Der Film hat der Schule genützt. Er hat einen großen Einfluss auf die öffentliche Meinung gehabt", sagt Lorenzini. Im Colosseum gibt es im Moment sogar eine Ausstellung zu dem Thema.

Die Gladiatorenschule gehört zur Gruppo Storico Romano, einem 1994 gegründeten Verein, der sich mit dem Leben in Rom im ersten Jahrhundert vor Christus befasst und versucht, es nachzubilden. Viele Mitglieder befassen sich eingehend mit der Geschichte. "Ich liebe Geschichte, und ich liebe Rollenspiele", sagt der 23-jährige Student Leonardo Lorenzini. "Leider kann ich kein Latein."

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