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Golf von Mexiko : Ausgang der "Top-Kill"-Aktion völlig offen

Der Versuch des Ölkonzerns BP, das Bohrloch am Meeresgrund zu verschließen, ist zunächst erfolglos geblieben. Es könne noch bis zum Wochenende dauern, bis feststehe, ob die Operation "Top Kill" die Ölquelle tatsächlich zum Versiegen bringt, so ein Sprecher.

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Das Unternehmen habe im Verlauf des Manövers zweimal mit hohem Druck schweren Schlamm in die Quelle gepumpt - der Ölfluss konnte dadurch aber nicht gestoppt werden. In der Nacht zum Freitag sollte nach mehr als 16 Stunden Unterbrechung ein weiterer Anlauf beginnen. Bis dahin analysiere BP, wie das Vorgehen angepasst werden muss, um erfolgreicher zu sein. Die Pausen seien in dem Verfahren vorgesehen, sagte BP-Manager Doug Suttles. "Es ist nichts schiefgegangen und es läuft nichts anders als geplant."

Am Donnerstagabend sah es noch so aus, als sei Amerikas Golfküste und damit auch Präsident Barack Obama noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Alles deutete auf einen Erfolg des Versuchs hin, das Unglücksbohrloch im Golf von Mexiko zu verschließen. Seit fünf Wochen und zwei Tagen sprudelten dort täglich mehrere hunderttausend Liter Rohöl aus dem Meeresboden. Die „Top Kill“ genannte Methode, die der BP- Konzern anwandte, ist generell erprobt in der Ölindustrie. Sie war aber nie zuvor in einer Tiefe von 1500 Metern unter der Wasseroberfläche angewandt worden, wo die Druckverhältnisse und Temperaturen ganz anders sind.

Präsident Obamas oberster Einsatzleiter in der Ölkrise, Küstenwachen-Admiral Thad Allen, sagte am Donnerstag Mittag Ortszeit, man habe den Austritt von Öl und Gas gestoppt. Der BP-Konzern bestätigte zunächst nicht, dass die Aktion, die am Mittwoch begonnen hatte, erfolgreich war. Eine BP-Sprecherin in London sagte, die Arbeiten gingen weiter.

Der von Allen vermeldete Erfolg betrifft auch nur die erste Phase der „Top-Kill“-Aktion. Dabei wird schwerer Bohrschlamm in das Loch gepumpt, um so nach und nach von oben den Druck auszugleichen, mit dem Öl und Gas von unten aus der Lagerstätte drücken. Sobald ein Gleichstand erreicht ist, tritt kein Öl und Gas mehr aus. In einer zweiten Phase versuchen die Einsatzkräfte dann, eine künstliche Verstopfung auszulösen, indem sie weiteres Material oben in das Bohrloch schießen. Bei den Vorbereitungen war die Rede von verknoteten Tauen, Golfbällen und anderem schweren Material. In einer dritten Phase wird das Loch dann mit Zement von außen versiegelt.

Live-Bilder vom Meeresgrund.
Live-Bilder vom Meeresgrund.Foto: dpa

Der Donnerstag hatte als Schicksalstag in Amerikas Kampf mit der Ölpest begonnen. Die Dramatik spitzte sich auf mehreren Feldern gleichzeitig zu. Parallel zu der „Top kill“-Aktion erreichte die Ölpest an immer Stellen Strandabschnitte und setzte sich auch optisch als drängende Bedrohung im Bewusstsein von immer mehr US-Bürgern fest. In Washington wuchs die Kritik an der Regierung Obama in einem Maße, die ihn zwang, verschärfte Regeln für die Ölindustrie anzukündigen und einen Stopp neuer Bohrgenehmigungen für die kommenden sechs Monate zu verhängen. Bereits am Mittwoch hatte er seine zweite Reise in das Unglücksgebiet bekannt gegeben. Am Freitag will er dort beweisen, dass er sich persönlich kümmert.

So kannten Amerikas Medien vom frühen Donnerstag Morgen an nur noch ein Hauptthema: die Ölpest vor der Südküste und deren Konsequenzen für Mensch und Natur, aber auch für den Präsidenten und die künftige Energieversorgung. Das war eine auffällige Wende. In den fünf Wochen und zwei Tagen seit der Explosion der Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ war in den USA vergleichsweise verhaltend über den Ölteppich berichtet worden, obwohl er sich kontinuierlich ausbreitete und die Fischerei sowie die Umwelt an vielen hundert Kilometern Küstenlinie bedrohte.

Seit Mittwoch Nachmittag richten sich die Kameras der Nachrichtensender der USA auf die Golfküste. In einem Bildschirmfenster laufen die Aufnahmen der Unterwasserkamera von BP mit, die das Bohrloch überwacht und das Austreten des Rohöls dokumentiert. Experten bewerteten die Erfolgsaussichten des „Top kill“ zunächst nur mit 60 bis 70 Prozent.

Der Versuch wurde von einer doppelten Furcht begleitet. Wenn der Ansatz scheitert, könnte das die Lage verschlimmern. Erstens bestand die Gefahr, dass die Arbeiten das Loch ungewollt vergrößern und dann noch mehr Öl austritt. Zweitens würde dann wohl für weitere drei Monate Öl ausströmen. Für den alternativen Rettungsansatz werden 90 Tage veranschlagt. Der sieht vor, in Entlastungsbohrungen schräg von der Seite den alten Förderschacht zu treffen und durch die neuen Zugänge Zement einzuleiten, um das Loch von innen zu verschließen.

Manche Medien vergleichen die aktuelle Entwicklung mit der Bedeutung des Hurrikans „Katrina“ für das Ansehen George W. Bushs und fragen, ob die Ölpest zu „Obamas Katrina“ werde. Obama müsse beweisen, dass er die Lage unter Kontrolle habe. (mit dpa)

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