Golf von Mexiko : Bakterien fressen das Öl

Die Verschmutzung im Golf von Mexiko löst sich schneller auf als gedacht. BP will die Milliardenkosten für die Aufräumarbeiten vom steuerpflichtigen Gewinn abziehen, was Empörung auslöst.

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Neue Havarie. Eine kleine orange-braune Fontäne stößt Öl und Gas aus. Foto: dpa
Neue Havarie. Eine kleine orange-braune Fontäne stößt Öl und Gas aus. Foto: dpaFoto: dpa

Der Ölteppich im Golf von Mexiko löst sich überraschend schnell auf. Vor zwei Wochen, am 15. Juli, war es BP gelungen, das Ausströmen von Rohöl aus dem Bohrloch zu stoppen. Zuvor waren in den knapp drei Monaten seit der Explosion der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April täglich mehrere Millionen Liter Rohöl in Meer gelaufen und hatten einen Ölteppich gebildet, der sich über hunderte Quadratkilometer vor der Südküste der USA erstreckte. Inzwischen ist die Verseuchung der Meeresoberfläche auf einzelne Flecken unterschiedlicher Größe geschrumpft. Die US-Küstenwache sagt, bei ihren Überwachungsflügen werde es immer schwerer, größere Öllachen auf dem weiten Ozean zu finden.

Die „New York Times“ dokumentierte auf ihrer Titelseite am Mittwoch sechs Karten, die das Ausmaß des Ölteppichs zwischen dem 4. Juni und dem 26. Juli zeigen. Wie in einem Zeitraffer verkleinert sich die graue verseuchte Fläche, die vorübergehend einen Gutteil des Meeres vor der US-Küste bedeckte, bis schließlich nur kleine graue Flecken bleiben.

Wissenschaftler erklären die unerwartete Entwicklung mit drei Faktoren. Dank des warmen Wetters verdunste Öl an der Oberfläche rasch. Die Temperaturen begünstigten auch den Abbau durch Bakterien. Drittens haben die jüngsten Stürme das Öl mit Wasser verwirbelt, seine Konzentration vermindert und es in leichter abbaubare Einheiten aufgeteilt.

Meeresbiologen warnten, man dürfe aus der raschen optischen Verbesserung nicht schließen, dass die Gefahr für die Natur schnell vorübergehe. Es sei schwer, die Verunreinigung in tieferen Wasserschichten zu messen. Man müsse auch die Langzeitfolgen der Millionen Liter Chemikalien, die BP zum Aufbrechen des Öls verwendet habe, beobachten.

Parallel ereignete sich ein Schiffsunfall, bei dem eine unbekannte Menge Öl in den Golf floss. Ein Boot der US-Küstenwache rammte in einer Bucht rund hundert Kilometer südlich von New Orleans eine aufgegebene Ölplattform, die bis 2008 im Dienst war. Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, sagte, es sei eine Ölfontäne aus dem Leck geschossen. Man habe die Umgebung rasch abriegeln können, da viele Schiffe zur Bekämpfung der Ölpest in der Gegend waren.

Der Beauftragte der US-Regierung für die Ölseuche, Admiral Thad Allen, erläuterte am Mittwochnachmittag in einer Pressekonferenz die Pläne zum endgültigen Verschluss des Bohrlochs. Er will parallel zwei Varianten der Versiegelung von oben und von innen vorantreiben. Beim „Static kill“ von oben nutzt man die Mechanismen der neuen Abdeckkappe, um Öl und Gas mit schwerem Bohrschlamm in den Bohrschacht zu drücken und dessen Kopf mit Zement zu versiegeln. Parallel sollen die Entlastungsbohrungen den Bohrschacht mehrere hundert Meter unterhalb des Meeresbodens erreichen. Durch sie kann man ebenfalls Material einspritzen, das den Bohrschacht in der Tiefe ausfüllt.

US-Medien empörten sich am Mittwoch über Pläne BPs, die Milliardenkosten für die Aufräumarbeiten vom steuerpflichtigen Gewinn abzuziehen. Bei einer maximalen Steuerquote von 35 Prozent würden die Steuerzahler dann mit rund zehn Milliarden Dollar an den bisherigen Kosten von 32 Milliarden Dollar beteiligt. Präsidentensprecher Robert Gibbs appellierte an BP, die Abschreibungsmöglichkeiten nicht zu nutzen.

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