Golf von Mexiko : Das Ölleck ist dicht – meldet BP

Das "Static Kill"-Manöver zum endgültigen Versiegeln des Öl-Lecks scheint zu funktionieren. Der britische Konzern BP spricht von einem Erfolg am Bohrloch. Nun folgt die Flut der Schadenersatzprozesse.

von
Schraubarbeiten am Meeresboden. Bei der Operation "Static Kill" sollen ferngesteuerte Roboter versuchen, das Bohrloch zu verschließen. Foto: dpa
Schraubarbeiten am Meeresboden. Bei der Operation "Static Kill" sollen ferngesteuerte Roboter versuchen, das Bohrloch zu...Foto: dpa

Im Kampf gegen die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat der BP-Konzern nach Angaben eines Sprechers in London einen „Meilenstein“ erreicht und das leckende Bohrloch im Golf von Mexiko ins „hydrostatische Gleichgewicht“ gebracht. Damit ist laut dem Konzern der entscheidende Schritt für den dauerhaften Verschluss des defekten Bohrlochs geglückt. Nun steht der Ölkonzern vor der Aufgabe, auch die finanziellen und rechtlichen Konsequenzen des Unglücks zu bewältigen.

Die Umweltfolgen der schwersten Ölkatastrophe der Geschichte sollen nach einem Bericht der amerikanischen Regierung allerdings weniger schwerwiegend sein als zunächst befürchtet. Nur ein Viertel der schätzungsweise 4,9 Millionen Barrel Öl (795 Millionen Liter), die ins Meer geflossenen sind, sollen noch Schäden verursachen, so der Bericht der amerikanischen Umweltbehörde NAOO. Der Rest sei verbrannt oder abgeschöpft, habe sich verflüchtigt oder sei aufgebrochen worden. „Es gibt absolute keine Beweise, dass es draußen auf dem Meer noch signifikante Konzentrationen von Öl gibt, die wir nicht erfasst haben“, sagte NAOO-Direktorin Jane Lubchenco.

Die Ölpest im Golf von Mexiko
20. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon" explodiert, elf Arbeiter sterben. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 77Foto: dpa
19.04.2011 13:0120. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon"...

Mehr als drei Monate nach der Explosion auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“, bei der elf Arbeiter getötet und ein Sicherheitsventil auf dem Meeresboden beschädigt wurde, gelang BP am Mittwoch der sogenannte Static Kill. Pumpschiffe pressten schweren Schlamm in die Steigleitung und verhinderten, dass Öl weiter nach oben strömt. In einem nächsten Schritt, dem „Bottom Kill“, soll das Ölreservoir in vier Kilometer Tiefe durch neu gebohrte Nebenlöcher auf ähnliche Weise mit Schlamm und Zement endgültig verschlossen werden. Über das Vorgehen wird BP mit der US-Regierung beraten. Mitte Juli bereits gelang es Technikern, die Steigleitung in 1500 Meter Tiefe mit einer 75 Tonnen schweren Stahlkappe provisorisch zu verschließen. Seither war nach Konzernangaben praktisch kein Öl mehr ins Meer gelangt.

Das Leck und der wochenlange Kampf gegen die Umweltkatastrophe haben einen der größten Industriekonzerne der Welt fast erledigt. Die BP-Aktie notierte am Mittwoch 37 Prozent unter dem Stand vor der Katastrophe am 20. April. BP hat für die Kosten der Katastrophe provisorisch 32 Milliarden Dollar angesetzt und machte deshalb im letzten Quartal mit 17,2 Milliarden Dollar den größten Verlust der britischen Wirtschaftsgeschichte. Konzernchef Tony Hayward muss wegen der Katastrophe im Herbst seinen Stuhl räumen. BP plant den Verkauf von Vermögenswerten im Wert von 30 Milliarden Dollar, um seine Liquidität zu wahren und eine Übernahme durch einen Konkurrenten zu verhindern. Das Unternehmen steht vor einer Flut von Prozessen und Schadenersatzforderungen. Unter den spektakulärsten ist eine mögliche Strafe von 21 Milliarden Dollar nach dem US-Wasserschutzgesetz. Ein Anwalt will für bisher 2000 Kläger zusammen 15 Milliarden Dollar Schadenersatz für Gesundheitsschäden erstreiten, die durch ins Meer gepumpte chemische Lösungsmittel entstanden sein sollen.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben