Golf von Mexiko : Ölkatastrophe vor New Orleans

Eine Bohrinsel geht vor Louisiana in Flammen auf und versinkt – ein Schlag für Präsident Obama: Er will die Öl-Förderung massiv ausbauen.

Sebastian Moll
Lichterloh in Flammen. Löschboote versuchten vergeblich, die Bohrinsel zu retten.
Lichterloh in Flammen. Löschboote versuchten vergeblich, die Bohrinsel zu retten.Foto: AFP

Der Donnerstag sollte eigentlich in den USA ein Tag sein, an dem man sich besonders auf die bedrohte Umwelt besinnt. Seit 1969 wird einmal pro Jahr zu diesem Zweck der „Earth Day“ zelebriert. Auslöser für die Ausrufung des „Earth Day“ war damals eine Ölpest vor der Küste von Kalifornien. Statt die Fortschritte im Umweltschutz zu feiern, sah sich das Land gestern erneut mit einer Umweltkatastrophe von potenziell verheerendem Ausmaß konfrontiert.

Am Donnerstagvormittag versank vor der Küste von Louisiana, keine 70 Kilometer von New Orleans entfernt, eine Ölbohrinsel, auf der zwei Tage zuvor eine Explosion einen Brand ausgelöst hatte. Beinahe unmittelbar nachdem die Reste der Plattform unter der Meeresoberfläche verschwunden waren, breitete sich auf der Oberfläche des Golfs von Mexiko ein Ölteppich aus. Am Freitag früh war dieser Teppich von einer Größe von rund eineinhalb auf acht Kilometer angewachsen.

Bislang konnten die Einsatzkräfte der US-Küstenwache und des Ölkonzerns BP, dem Betreiber der Bohrinsel, noch nicht ermitteln, wo das Öl austritt. Sollte es direkt aus dem Bohrloch in rund 6000 Metern Tiefe stammen, wären die Folgen für die Umwelt und die Küstenbewohner katastrophal. Die Plattform förderte bislang täglich rund 1,3 Millionen Liter Öl vom Meeresboden an die Oberfläche. Das Öl würde jetzt ungebremst in den Golf von Mexiko fließen. Präsident Barack Obama erklärte deshalb am Freitag früh die Bekämpfung der möglichen Umweltkatastrophe zur obersten nationalen Priorität.

Am Donnerstag hatte „Transocean“, die Betreiberfirma der Ölplattform, bereits ein ferngesteuertes U-Boot auf den Meeresboden geschickt, um festzustellen, wo das sich ergießende Öl herkommt. Im günstigsten Fall ist es lediglich Öl, das auf der gesunkenen Plattform gelagert war. Das U-Boot drang jedoch nicht bis zur Bohrquelle vor, um das zu verifizieren. Nach dem Sinken der Plattform dürfte es nun noch schwieriger werden, die Ursache der Ölpest festzustellen und zu beheben. Die Wrackteile der Plattform könnten sich mehrere hundert Meter hoch über dem Bohrloch auftürmen und es unzugänglich machen.

Inzwischen hat BP eine Flotte von 30 Schiffen entsandt, um den Ölteppich zu bekämpfen. Die Spezialfahrzeuge können bis zu 680 000 Liter Öl von der Meeresoberfläche abschöpfen. Angesichts des möglichen Ausmaßes des Desasters ist das allerdings bestenfalls eine leichte Minderung des Schadens. BP-Chef Tony Hayard versicherte jedoch, dass seine Firma alles tun werde, was in ihrer Macht steht, um eine Umweltkatastrophe zu verhindern.

Ausgelöst wurde der Unfall durch eine Explosion bislang noch unbekannter Ursache. Die meisten der 126 Arbeiter auf der Plattform konnten mit Hubschraubern und Rettungsbooten in Sicherheit gebracht werden. Elf werden jedoch noch immer vermisst. Die Küstenwache sucht weiterhin das Gebiet nach ihnen ab.

Der Zwischenfall kommt für Barack Obama zu einem für ihn politisch sehr ungünstigen Moment. Erst vor einer Woche hatte Obama große Abschnitte der nordamerikanischen Küsten für Ölbohrungen freigegeben. Politische Gegner dieser Freigabe zögerten am Donnerstag nicht, den Zwischenfall als Beleg dafür zu nehmen, dass die Öffnung der Küsten für die Ölförderung falsch ist.

Der Unfall zeige erneut die Gefahren von Ölbohrungen vor der Küste. „Die Ölindustrie wiederholt den gefährlichen Mythos, dass Ölbohrungen vor der Küste ein vollkommen sicheres Unterfangen seien, doch Unfälle wie dieser sind eine ernüchternde Erinnerung daran, wie weit dies von der Wahrheit entfernt ist“, erklärten die demokratischen Senatoren Robert Menendez und Frank Lautenberg.

Den Bewohnern der Golfküste helfen solche allgemeinen politischen Debatten momentan jedoch kaum weiter. Sie können nur noch hoffen, dass sich die Katastrophe noch irgendwie in Grenzen halten lässt.

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