Grabsch-Attacke : Pariser TV-Star droht Haft

Vor den französischen TV-Kameras ist er das Musterbild eines menschenfreundlichen Talkmasters - nun drohen Starmoderator Jean-Luc Delarue fünf Jahre Haft, weil er während eines Flugs randalierte und eine Stewardess unsittlich berührte.

Paris - Nach Angaben aus Justizkreisen hatte Delarue bei dem Linienflug von Paris nach Johannesburg am 13. Februar einer Air-France-Stewardess an Bauch und Brust gegriffen. Anschließend soll der Erste-Klasse-Passagier betrunken randaliert, einen Steward gebissen und geohrfeigt haben. Er musste überwältigt und gefesselt werden. Delarue bat für sein Verhalten um Entschuldigung. Er habe kurz vor dem Flug einen Cocktail aus Schlafmitteln und Alkohol zu sich genommen, um seine Angst zu überwinden, und sei "regelrecht ausgerastet", gestand der 42-Jährige am Montag im RTL-Radio.

Neunstündiges Verhör

Der Showmaster, der zu Frankreichs beliebtesten TV-Stars zählt, war am Sonntag bei seiner Rückkehr nach Frankreich in Gewahrsam genommen und auf dem Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle neun Stunden lang verhört worden. Vor Gericht wird er sich auf Klagen von insgesamt drei Air-France-Beschäftigten wegen Gewaltakten und sexueller Übergriffe verantworten müssen. Ihm werden nach französischem Strafrecht auch Beleidigung sowie versuchte Beeinträchtigung des Luftverkehrs vorgehalten. Der Fall soll Ende März vor dem Strafgericht Bobigny bei Paris verhandelt werden.

"Ich bedauere sehr, was geschehen ist", versicherte Delarue. Er bitte alle Passagiere und die Crew "noch einmal um Verzeihung dafür, ihre Reise gestört zu haben". Delarue betonte, er erinnere sich "nicht an alles - aber genug, um zu wissen, dass mein Verhalten nicht normal - weit davon entfernt - und nicht akzeptabel war". Er habe eine "Flugzeug-Phobie", sagte Delarue. Daher habe er Schlafmittel und mehrere Gläser Wein getrunken - "eine unselige Mischung, die bei mir besonders starke Wirkung zeigte, weil ich so angespannt war".

Delarue: Druck der Presse "hört gar nicht mehr auf"

Für seinen derzeitigen Stress gab Delarue mehrere Gründe an: So habe er viele aufeinanderfolgende Drehs hinter sich, gleichzeitig mit dem Rauchen aufgeführt und halte nur schwer die ständige Verfolgung durch Pressefotografen aus. Deren Druck "hört gar nicht mehr auf, seit ich ein Baby habe". Er werde "sehr bald" an seiner Flugangst arbeiten, versprach Delarue und fügte zerknirscht hinzu, künftig die Finger von Alkohol und Medikamenten beim Fliegen zu lassen. Der Zwischenfall sei für ihn aber ein wichtiges Alarmsignal; künftig werde er seine Dreharbeiten besser aufteilen und sich mehr Ruhe gönnen müssen.

Delarue tritt in Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens wie "Ça se discute" (sinngemäß: Darüber kann man reden) stets als schlagfertiger, aber vor allem respekt- und verständnisvoller Gastgeber auf. Er zählt auch zu Frankreichs erfolgreichsten TV-Produzenten. (tso/AFP)

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