Welt : Greta Garbo wird zur Ikone der Lesben-Bewegung

Sie selbst wollte ihr Privatleben stets vor den Blicken Neugieriger schützen. Doch jetzt, zehn Jahre nach ihrem Tod, werden wohl die pikantesten Geheimnisse aus dem Leben der Hollywood-Diva Greta Garbo gelüftet. Liebte sie wirklich die Drehbuchautorin Mercedes de Acosta? Und ging die Schaupielerin mit dem schwulen Fotografen Cecil Beaton nur ins Bett, um Mercedes dafür zu bestrafen, dass die auch mit Marlene Dietrich schlief?

Antworten auf diese Fragen könnten 55 Briefe, 17 Karten und 15 Telegramme der Garbo enthalten. Die Empfängerin de Acosta hat sie vor 40 Jahren versiegelt dem Promi-Archiv "Rosenbach Museum Library" in Philadelphia anvertraut. Bedingung: Erst zehn Jahre nach ihrem eigenen oder dem Tod der Garbo dürfe das Siegel der Verschwiegenheit gebrochen werden. Am kommenden Sonnabend ist es soweit - exakt am zehnten Todestag von Greta Garbo, die als Mata Hari, Anna Karenina und Ninotschka die berühmteste Filmdiva ihrer Zeit war.

1941 zog sich Garbo überraschend aus Hollywood zurück. Schnell flammten die Gerüchte auf, die Angst, als Lesbe entlarvt zu werden, habe eine Rolle gespielt. Seit 1931 soll die Affäre zwischen ihr und Mercedes de Acosta viele Höhen und Tiefen durchlebt haben - voll von Sehnsüchten, Eifersucht und Hass. Bis 1960 blieben die beiden befreundet. Doch dann brach Garbo, die längst zurückgezogen in New York lebte, den Kontakt ab. Sie war zornig, weil die Ex-Geliebte in ihren Memoiren über ihre Beziehung berichtete - und angeblich so manches Detail hinzugedichtet hatte.

Jetzt will die amerikanische Lesbenbewegung die Diva zu ihrer Ikone machen. Der Briefwechsel mit de Acosta soll Anfang Mai in Philadelphia auf dem "PrideFest America" der Homosexuellen ausgiebig diskutiert werden. Daran wollen die Lesben deutlich machen, welche Probleme sie auch heute noch in der US-Gesellschaft haben.

Wieviel Zündstoff die Briefe wirklich enthalten, ist unklar. Schon 1994 hatte der Autor Hugo Vickers versucht, das Liebesleben der "Göttlichen" zu erhellen. Für sein Buch "Loving Garbo" schlachtete er die bis dahin zugängliche Korrespondenz der Schauspielerin aus. Schon damals im Mittelpunkt: die Affären mit de Acosta und Cecil Beaton. Doch während Beaton in seinen Briefen die Geliebte mit der für sie offenbar erotischen Vorstellung aufzog, ein junger Mann zu sein ("Kannst Du schon mit einem Rasierer umgehen?"), übte die Skandinavierin nordische Zurückhaltung. Zwar schrieb sie oft an Beaton, aber nie offen über Sex.

So könnte es auch in den Briefen an de Acosta sein. Prickelnder wäre wohl hier wiederum die Post, die Garbo von der heißblütigen Kubanerin empfangen hat. Deren Hollywood-Ruhm jedenfalls basierte nicht auf ihrer Arbeit, sondern auf ihren prominenten Eroberungen.

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