Update

Griechenland per Crowdfunding retten : Greek Bailout Fund - schon mehr als 800.000 Euro zusammen

Sollte jeder EU-Bürger drei Euro spenden, könnte Griechenland gerettet werden. So rechnet ein Mann aus London - und sammelt Geld per Crowdfunding im Internet. Für potentielle Spender hat der Brite einige Überraschungen auf Lager.

Robert Klages
Mit einer Spendenaktion im Internet will ein Brite Griechenland retten. Wie hier zu sehen ist, waren am Dienstagnachmittag 125.518 Euro der benötigten 1,6 Milliarden Euro zusammengekommen. Mit dem Zielgeld könnte das Land seine Schulden beim IWF bezahlen.
Mit einer Spendenaktion im Internet will ein Brite Griechenland retten. Wie hier zu sehen ist, waren am Dienstagnachmittag 125.518...Screenshot Indiegogo

Mit digitaler Solidarität will ein Brite Griechenland retten. "Griechenland braucht 1,6 Milliarden Euro. Das erscheint jetzt vielleicht viel, aber es sind für jeden Europäer nur 3 Euro", schreibt Thom Feeney aus London. Auf der Internet-Plattform Indiegogo hat er eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Namen "Greek Bailout Fund" eingerichtet. Die Idee ist, genug Geld zu sammeln, damit Griechenland in der EU bleiben kann.

Den 29-Jährigen nerven die "Unruhen", die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen den Geldgeberstaaten der Europäischen Union und Griechenland. Bis Dienstag um Mitternacht hätte das Land dem Internationalen Währungsfond (IWF) 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen müssen. Wenn nicht noch eine Einigung gelingt, rutscht das Land in die Zahlungsunfähigkeit. Mit nur drei Euro pro EU-Bürger könnte das Problem gelöst sein, meint Schuhverkäufer Feeney, dies sei etwa so viel wie ein halber Pint Bier in London. Am Mittwochnachmittag hatte das Crowdfunding immerhin 814.900 Euro von bisher 48.354 Personen erhalten - darunter übrigens auch mindestens drei Mitarbeiter des Tagesspiegels. Vom Zielbetrag ist der Mann also noch weit entfernt.

Für 5000 Euro gibt es einen Urlaub in Griechenland

Alle Spender der Aktion sollen ein Stück Griechenland erhalten: Jeder, der drei Euro spendet, soll angeblich eine Postkarte mit dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras bekommen, für zehn Euro soll es eine Flasche Ouzo, für 25 eine Flasche griechischen Wein geben ... das Angebot geht bis zu einem Urlaub in Griechenland für zwei Personen bei einer Spende von 5000 Euro. Und weil man bei Indiegogo nachvollziehen kann, wie viele Leute etwas angefordert haben, ist zu sehen, dass der Urlaub bisher einmal angefordert, also eine Spende von 5000 Euro eingegangen ist. 8221 Leute würden bisher demnach im August 2015 eine Postkarte mit dem Bild von Tsipras drauf erhalten, 5473 Personen eine Flasche Ouzo - und immer mehr Menschen beteiligen sich an der Aktion. Feeney würde Hilfe benötigen, um all die Sachen rund um die Welt zu schicken - das Porto müssten die Empfänger zahlen. Die Aktion ist offenbar so erfolgreich, dass sein Projekt auf der Webseite Indiegogo zwischenzeitlich nur schwer oder gar nicht zu erreichen war.

Wer eine Millionen Euro oder mehr spendet, dem würde Feeney keine materiellen Güter schicken, sondern "jede Menge Dankbarkeit der Bürger Europas und insbesondere des griechischen Volkes". Was man dort von der Hilfsaktion hält, ist noch nicht bekannt. Vermutlich wird sich das alles aber in Luft auflösen, denn die Spender müssen ihre Summen erst überweisen, wenn die ganze Summe von 1,6 Milliarden Euro erreicht werden würde - und dies ist sehr unwahrscheinlich, wie auch der Brite selbst weiß. Sollte die Milliarden-Summe noch heute Nacht zusammen kommen, bliebe ihm kein Geld mehr, um die Spender mit den versprochenen Produkten zu beliefern, die in aller Welt auf ihre Flaschen Ouzo und Postkarten warten würden - Feeney wäre hochverschuldet. Seine Aktion versteht sich mehr als Statement. Denn wenn Europäer mehr Produkte aus Griechenland konsumieren würden, könnte die dortige Wirtschaft gestärkt werden.

Sollte die angestrebte Summe entgegen aller Vermutungen doch erreicht werden, verspricht Feeney, dass das Geld auch wirklich die Menschen in Griechenland erreichen wird und alle Produkte zu 100 Prozent aus Griechenland kommen werden. Wie Feeney angibt, war er weder schon mal in Griechenland, noch hatte er in seinem Leben irgendeinen Kontakt mit Politikern. Und er selbst hat bisher 10 Euro für eine Flasche Ouzo beigetragen.

Eine andere Idee von Feeney wurde von Indiegogo vereitelt: Der Londoner wollte eine griechische Insel für 1,6 Milliarden Euro verkaufen. Indiegogo schrieb ihm jedoch eine Mail, er könne nicht einfach das Eigentum des griechischen Staates verkaufen, ohne dass der ihm das erlaubt habe.

 

18 Kommentare

Neuester Kommentar