Großbrand : Spiel mit dem Feuer

Hochhaus in Flammen: Das Staatsfernsehen ist schuld an dem Großbrand. Der 30-stöckige Seitenflügel des Pekinger Fernsehturms brannte völlig aus.

Bernhard Bartsch[Peking]
Peking Brand
Mehr als 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Das Feuer wütete sechs Stunden lang. -Foto: dpa

Nicht Terroristen noch Brandstifter, Neujahrsraketen haben das spektakuläre Feuer auf dem Gelände des neuen Hauptquartiers von Chinas Staatsfernsehen ausgelöst. Einen Tag, nachdem der 30-stöckige Seitenflügel des Pekinger Fernsehturms völlig ausgebrannte, übernahm der Zentralsender am Dienstag die Verantwortung für die Zerstörung. Für Fernsehaufnahmen hatte er ein Feuerwerk mit besonders großen Raketen zünden lassen und dabei gegen Brandschutzbestimmungen verstoßen. In einer Erklärung auf seiner Webseite erklärte die Fernsehanstalt, sie sei „zutiefst traurig darüber, dass das Feuer schwere Verluste von Staatseigentum verursacht hat“.

Bei dem Brand war ein Feuerwehrmann durch eine Rauchvergiftung getötet worden; sechs Menschen wurden verletzt. Nach Polizeiangaben wurden mehrere Menschen festgenommen. Die Brandkatastrophe bedeutet für CCTV ein Imagedesaster. Zahlreiche Behörden nutzten gestern die Gelegenheit, um den als selbstherrlich und verschwenderisch geltenden Propaganda-Sender öffentlich zu kritisieren. Ein Sprecher der Stadtverwaltung erklärte, CCTV habe „gegen Vorschriften verstoßen und auf der Baustelle ein Feuerwerk entzündet“. Auch die Brandschutzbehörde gab zu Protokoll, sie habe die Fernsehleute auf die Gefahr ihres Vorhabens hingewiesen.

Die Raketen waren weitaus explosiver als die im öffentlichen Handel erhältlichen Böller, mit denen um Montag hunderttausende Chinesen am sogenannten Laternenfest, der 15. Tag des neuen Jahres, das traditionelle Frühlingsfest hatten ausklingen lassen. Feuerwerk gilt an diesem Tag als besonders glückverheißend.

Das sogenannte Fernsehkulturzentrum, kurz TVCC, war wie das 200 Meter entfernt stehende Hauptgebäude des neuen CCTV-Komplexes von dem niederländisch-deutschen Architektenduo Rem Kohlhas und Ole Scheeren entworfen worden und sollte im Oktober eröffnet werden. Das in Form eines Stiefels gebaute Hochhaus hatte ein fast fertiges Luxushotel sowie Konferenzräume, Fernsehstudios und ein IT-Zentrum beherbergt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Hotel wie geplant früher eröffnet worden wäre.

Der CCTV-Turm, den die Pekinger wegen seines Aussehens als „Große Boxershorts“ bezeichnen, soll zum modernen Wahrzeichen der Hauptstadt werden.

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