Großbritannien : Der Fall des Kindesmörders: Ein verstörendes Geheimnis

Der jüngste Mörder der britischen Kriminalgeschichte ist zum ersten Mal in einem Erwachsenengefängnis – und niemand in Großbritannien darf erfahren, warum der Mann nun ins Gefängnis musste.

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 „Jon Venables ist dort, wo er hingehört“, twitterte die Mutter des 1993 von zwei Zehnjährigen brutal ermordeten James Bulger. Venables, heute 27 Jahre alt, verstieß jetzt gegen die strengen Bewährungsauflagen, unter denen er und sein Komplize 2001 gegen massive Proteste freigelassen wurden, mit neuem Namen und erfundener Lebensgeschichte. Nun empört diese Anonymität die Boulevardzeitungen erneut. Denn Justizminister Jack Straw weigert sich, zu sagen, warum Venables jetzt wieder ins Gefängnis musste – unter Berufung auf Recht und Gesetz.

Venables und sein gleichaltriger Freund Robert Thompson hatten den kleinen James Bulger in einem Shoppingzentrum bei Liverpool entführt, verschleppt und an einem Bahngleis zu Tode gequält. James war zwei, die Mörder zehn. Niemand wusste damals, wie man mit so einer Tat umgeht. Der Europäische Gerichtshof kritisierte das Verfahren gegen die kleinen Mörder vor einem Erwachsenengericht. Der damalige Premier John Major sagte: „Wir müssen ein bisschen weniger Verständnis haben und ein bisschen mehr verurteilen.“ Die Presse forderte die härteste Strafen.

Nach Angaben des „Daily Mirror“ soll Venables ein kokainsüchtiger Hitzkopf geworden sein, der zu Wutanfällen neigt. Bei der Arbeit sei er gegen einen Kollegen handgreiflich geworden. Nun geht die Debatte über Strafe und Sühne und Vergebung wieder los. Und darüber, ob ein Verbrecher Anonymität beanspruchen darf, ob Recht ausgeübt werden kann, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt. Und ob Venables unter seinem falschen Namen im Gefängnis sein darf.

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