Großbritannien : Fluten dringen bis Oxford vor

Das Hochwasser in Großbritannien hat heute auch die Universitätsstadt Oxford erreicht. Manche nehmen die Lage noch mit Humor, andere stellen Vergleiche mit Kriegszeiten an.

Annette Reuther[dpa]
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Wegen des Hochwassers in Großbritannien mussten in Oxford 250 Häuser evakuiert werden. -Foto: AFP

LondonSeit sechs Tagen stehen Teile Englands unter Wasser und noch immer ist keine Entwarnung in Sicht. Stattdessen erinnern die Szenen an Kriegszeiten: Schlange stehen vor dem Supermarkt, Angst vor Hygieneproblemen und Trinkwassermangel. Heute stieg das Hochwasser weiter und erreichte die historische Universitätsstadt Oxford. Das Wasser drang in der Nacht bis in die Innenstadt vor, rund 250 Häuser mussten evakuiert werden. Anwohner, darunter auch ältere Menschen, wurden in einem Fußballstadion untergebracht. Sie müssten dort mindestens bis Freitag bleiben, sagte John Kelly von der Regionalverwaltung Oxfordshire.

Gloucestershire: Zwei Wochen ohne Trinkwasser

In den am schlimmsten betroffenen Gebieten weiter im Westen Englands ging das Wasser zwar langsam zurück, aber bis zu 350.000 Menschen in der Grafschaft Gloucestershire waren weiter ohne Trinkwasser - und sie werden dies wohl für die nächsten zwei Wochen bleiben. Angst vor Hygieneproblemen breitete sich aus. Das Rote Kreuz verteilte per Boot Beutel mit Hygieneartikeln und Wasser. Die Gemeindeverwaltung der Region klagte, es fehlten aufstellbare Toiletten für Rettungskräfte und ältere Menschen.

Die Polizei mahnte, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Auf Parkplätzen vor Supermärkten warteten die Menschen auf ihre tägliche Ration von sechs Zweiliterflaschen Wasser. Zudem wurden hunderte Wassertanks in den Gegenden Tewkesbury, Gloucester und Cheltenham aufgestellt. Betroffene versuchten mit Regenwasser ihre Toiletten zu bedienen.

"Solidarität wie im Krieg"

"Ich habe im Zweiten Weltkrieg gesehen, wie Menschen vor Durst verrückt geworden sind, das hier ist nichts dagegen", sagte der 91 Jahre alte Kriegsveteran Reginald Davies, während er in einem Vorort von Gloucester um Wasser anstand. Die meisten Menschen waren geduldig und nahmen es mit Humor. "Das ist es, was wir Briten lieben: Schlange stehen, jammern und über uns selbst lachen", sagte ein Schlange-Steher. Andere meinten, die Krise fördere "eine Solidarität wie im Krieg".

Premierminister Gordon Brown machte sich heute nochmals in die Flutgebiete auf und versprach 46 Millionen Pfund (68 Millionen Euro) Hilfe für die betroffenen Gemeinden. Zuvor war die Regierung in die Kritik geraten, weil sie zu wenig für den Hochwasserschutz getan hätte.

Die Themse stieg unterdessen weiter an, die Anwohner in der Grafschaft Berkshire bereiten sich auf die Fluten vor. Tausende von Sandsäcken wurden in den vergangenen Tagen angeliefert. In Reading, Marlow und Henley soll das Hochwasser im weiteren Tagesverlauf den Höchststand erreichen. Die historischen Städte Windsor, wo das Königsschloss steht, und Eton würden dem Hochwasser allerdings entgehen, teilte die Umweltbehörde mit.

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