Großbritannien : Fuchsjagd verboten - Es lebe die Fuchsjagd!

2004 wurde den Briten die Fuchsjagd nach langem und erbittertem Streit verboten. Doch inzwischen wird mehr gejagt als vor dem Verbot.

London - Die Briten sind allgemein für ihren manchmal unkonventionellen Umgang mit Gesetzen bekannt. Doch was derzeit in den Wäldern des Landes passiert, ist kaum zu glauben: Obwohl nach erbitterten Streit 2004 mit großen Tamtam die Jagd auf Füchse verboten wurde, werden die Tiere überall weiter mit Hunden gehetzt. Nach Angaben der Lobbyvereinigung Countryside Alliance ist die Zahl der Fuchsjagden sogar noch höher als vor dem Verbot. Tierschützer sind entsetzt, für sie sind aber ausnahmsweise einmal nicht Politiker Schuld an der Misere: Die Parlamentarier hätten das Gesetz erlassen in dem guten Glauben, dass die Jäger und ihr Gefolge "rechtschaffende und gesetzestreue Bürger sind", sagt Victoria Isherwood aus London. "Aber genau das sind sie nicht."

Beschlossen wurde der "Hunting Act" im November 2004 nach siebenjährigem Ringen vom britischen Unterhaus per Sondervollmacht gegen den Willen des Oberhauses. Es verbietet den jahrhundertealten und vor allem auf dem Land tief verwurzelten Sport, bei dem Füchse mit Hunden gejagt und dann zur Strecke gebracht werden. In Kraft trat das Verbot dann im Februar 2005, befolgt wurde es anfangs zumindest etwas, inzwischen offenbar überhaupt nicht mehr. Gut abzulesen ist die Entwicklung an den Umsätzen der Jagdausstatter. "Es gab einen dramatischen Einbruch 2004", berichtet Jane White, die ein Reitgeschäft in der Grafschaft Hampshire an der Südküste Englands betreibt. "Damals wusste niemand, wie es weitergeht. Aber schon letztes Jahr wurde es wieder besser und dieses Jahr ist einfach unglaublich. Jede Menge Leute sind wieder oder auch neu dabei."

Jäger nützen Gesetzeslücken

Die Anhänger der Fuchsjagd profitieren davon, dass sie ihren Sport oft zu früher Morgenstunde in einsamem Gelände ausüben. Kaum jemand kann einsehen, was genau vor Ort geschieht - ob es sich nur um einen Gruppenausritt handelt oder um eine zielgerichtete Fuchsjagd. Außerdem machen sich die Jäger schlau eine Gesetzeslücke zunutze. Sie haben den "Hunting Act" genau studiert, der mit den Worten beginnt: "Eine Person begeht eine Straftat, wenn sie eine wildes Säugetier mit einem Hund jagt." Dies klingt völlig klar, doch der erste Paragraph geht noch weiter: Danach ist das Jagen dann doch wieder keine Straftat, "wenn ein Ausnahmefall vorliegt."

Die möglichen Ausnahmefälle werden genau aufgezählt, eine der Regeln lautet: "Das Aufspüren und Aufscheuchen eines wilden Säugetiers ist keine Straftat, wenn dies mit dem Ziel geschieht, einem Greifvogel das Jagen des Tieres zu ermöglichen." Dies ist für viele Jäger inzwischen die Lösung aller Probleme - wie durch ein Wunder hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren die Zahl der verkauften Greifvögel im Königreich drastisch erhöht. Die Preise beispielsweise für Adler schossen in astronomische Höhen.

Adler als Maskottchen

Fast jede Jagdgesellschaft hat nun also ihr persönliches Maskottchen in Form eines Greifvogels - wie beispielsweise Steinadler Anna. Sie gehört dem Jäger Vernon Moore aus dem englischen Cottesmore - und muss auf jede Fuchsjagd mit. Denn mit Anna als Alibi können die Cottesmorer wir früher in großer Gruppe ausreiten, ihre Hunde die Füchse aufspüren und hochscheuchen lassen. Dann müssten theoretisch die Hunde zurückgerufen werden und Anna zum Zuge kommen. Aber wie Moore lakonisch sagt: "Unfälle gibt es immer wieder" - der Fuchs wird oft von den nicht zu haltenen Hunden zerfleischt; alles ist so wie früher.

Anna selbst hat bisher erst einen einzigen Fuchs gefangen, "Unfälle" gab es dagegen deutlich mehr. Wie viele genau, will Moore nicht verraten. Auf jeden Fall meldete die Jagdgesellschaft jeden davon im vergangenen Jahr noch vorschriftsmäßig der Polizei. Doch auch das sei vorbei, erzählt Moore. "Die Polizei hat uns gesagt, wir sollten sie nicht mehr mit diesem Kleinkram belästigen." (Von Antje Gemeinhardt, AFP)

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