Großbritannien : Totgeglaubter Kanufahrer des Betrugs beschuldigt

Geld, Liebe - und jede Menge Lügen: Ein Schuldenberg und die Liebe zu ihrem Mann sollen die Frau eines totgeglaubten britischen Kanufahrers bewogen haben, bei einem unglaublichen Lügenkomplott mitzumachen.

LondonIn einer ausführlichen Beichte gegenüber zwei britischen Boulevardzeitungen berichtete Anne Darwin, wie ihr Mann jahrelang bei ihr zu Hause wohnte, während selbst die Söhne des Paares im Glauben gelassen wurden, ihr Vater sei tot. Die 55-Jährige hatte Panama in der vergangenen Woche verlassen und wurde in Großbritannien erwartet, wo ihr die umgehende Festnahme bevorstand. Ihr Mann befindet sich bereits seit Dienstag in Haft und wurde am Samstag von der Polizei formell beschuldigt.

Hohe Schulden hätten ihren Mann dazu gebracht, seinen Tod vorzutäuschen, sagte Anne Darwin den Blättern "Daily Mail" und "Daily Mirror". "Ich weiß, es scheint zu unglaublich, um wahr zu sein", sagte Darwin den Zeitungen, deren Interview aus Miami datiert war. "Drei Jahre lang war John bei mir zu Hause, während praktisch alle uns nahestehenden Menschen glaubten, er sei tot." Sie versicherte jedoch, sie habe zunächst wirklich geglaubt, dass ihr Mann tot sei. Er hatte zwar angedeutet, der vorgetäuschte Tod sei der einzige Ausweg aus seinem Schuldenproblem, doch als er von seinem Kanu-Ausflug nicht zurückkehrte, "glaubte ich wirklich, dass er tot sei". Erst elf Monate später habe er auf ihrer Schwelle gestanden.

Das Märchen vom Gedächtnisverlust

Kurz nach Darwins Rückkehr zu seiner Frau hatte diese ihn für tot erklären lassen und eine Lebensversicherung (34.000 Euro), die Ablösung ihres Hausdarlehens (180.000 Euro) sowie eine Witwenrente kassiert. "Er ist weinend zusammengebrochen", als er bei seiner Rückkehr erfuhr, dass sie die Lebensversicherung noch nicht beansprucht habe, berichtete Anne Darwin. Das Ehepaar wird sich voraussichtlich wegen Betrugs verantworten müssen. Er war am 1. Dezember auf einem Revier in London aufgetaucht und hatte Gedächtnisverlust vorgetäuscht. Damit wollte er seiner Frau zufolge mit der Lügengeschichte Schluss machen und seine Söhne wiedersehen.

Wo Anne Darwin sich am Wochenende aufhielt, war zunächst unklar, sie wurde aber weiterhin in Großbritannien zurückerwartet. Sie habe "schreckliche Angst" bei der Vorstellung, dass sie dann festgenommen werde, sagte sie den Zeitungen. Sie berichtete, ihr Mann habe sich während des heimlichen Zusammenlebens auf der Straße verkleidet und gehinkt, um nicht erkannt zu werden. Wenn die trauernden Söhne kamen, um die Mutter zu besuchen, versteckte er sich in einem benachbarten Ein-Zimmer-Appartement, das den beiden gehörte.

Erboste Söhne

John Darwin wurde am Samstag wegen Betrugs und Falschaussage formell beschuldigt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Darwin habe sich eine Geldüberweisung durch Täuschung erschlichen und falsche Angaben zu seiner Person gemacht, um einen neuen Pass zu erhalten. Ohne förmliche Beschuldigung bis zum Abend hätte die Polizei entweder eine Kaution aussetzen oder Darwin freilassen müssen.

Die Söhne des Ehepaares, der 29-jährige Anthony und der 31-jährige Mark, hatten nach dem Bekanntwerden der Intrige erbost reagiert und ihre Entrüstung öffentlich gemacht. Sie wollten keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern, erklärten sie. Anne Darwin bedauerte die Reaktion ihrer Söhne. "Jungs, glaubt Eurer Mama, es tut mir wirklich sehr leid und ich liebe Euch immer noch und ich hoffe, Ihr habt die Kraft, uns eines Tages zu verzeihen", sagte Darwin den Zeitungen. (ae/AFP)

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