Welt : Große Gruß-Offensive in Bayern

Taufkirchen - Die Zugtüren öffnen sich, Bürgermeister Jörg Pötke schnellt auf eine Frau zu. „Servus“, sagt der Rathauschef von Taufkirchen und lächelt. Sie hebt den Kopf und murmelt ein verschlafenes „Hallo“. Pötke sagt an diesem Mittwochmorgen am Bahnhof von Taufkirchen noch sehr oft „Servus“ oder „Grüß Gott“. Nach seiner Vision sollen sich die Bürger des Münchner Vororts öfter grüßen. Dazu hat der 64-Jährige in der 19 000-Einwohner-Gemeinde die bundesweit wohl erstmalige „GrußInitiative“ ins Leben gerufen.

Pötke greift in seine Tasche und nimmt einen orangefarbenen Anstecker heraus. Darauf steht in schwarzen Lettern „Hallo“ – das Symbol der Aktion. Der Bürgermeister stößt mit seiner Grußorgie nicht bei jedem auf Verständnis. Als er einer älteren Frau den Button entgegenstreckt, winkt sie ab. „Ich will nichts kaufen“, sagt sie harsch und geht schnell weiter. „Morgenmuffel gab es heute schon viele“, sagt er schmunzelnd. Der Bürgermeister ist von seiner Idee überzeugt. „In der Stadt neigt man dazu, irgendwie reaktionslos aneinander vorbeizugehen, und das wollen wir ändern.“

Eine andere bayerische Stadt startet jetzt einen Pilotversuch: In der „Tourist-Information“ von Oberstaufen können sich Gäste mit der Wahl des ServiceSchalters entscheiden, ob sie mit „Du“ oder „Sie“ angesprochen werden wollen. Bis September sollen die Urlauber abstimmen. „Ich bin gespannt, wie die Menschen reagieren und für was sich die Mehrheit entscheidet. Nach dem Ergebnis werden wir überlegen, ob wir unsere Gäste künftig grundsätzlich duzen“, sagte Tourismus-Chefin Bianca Keybach. dapd/dpa

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