Großeinsatz in Berlin : Polizei jagt Phantom in Kreuzberger Schule

Ein Hubschrauber über dem Schulhof, Spezialkräfte der Polizei auf Fluren, Suchhunde in Klassenzimmern: Ein mutmaßlicher Bewaffneter in einer Kreuzberger Schule hat mehr als vier Stunden lang die Polizei in Atem gehalten. Nun werden zwei Verdächtige gesucht.

Anne Gottschalk,Burkhard Fraune[dpa]
Kreuzberg
Ein Einsatzteam der Polizei macht sich bereit. -Foto: ddp

Berlin Mehr als 100 Polizisten durchkämmten den unübersichtlichen Komplex, zu dem eine frühere preußische Kaserne und Neubauten gehören. Doch einen Mann mit Waffe fanden sie nicht. Ein Schüler hatte am Morgen den Großalarm in Berlins größtem Oberstufenzentrum ausgelöst. Er will den Bewaffneten gesehen haben und alarmierte die Schulleitung. Nach viereinhalb Stunden dann eine erste Entwarnung durch die Polizei: "Wir gehen davon aus, dass im Gebäude kein Verdächtiger ist." Nun rätseln die Ermittler, was hinter dem Notruf steckte.

Die Mordkommission fahndet inzwischen nach einem 20 bis 25 Jahre alten Verdächtigen sowie einem weiteren, nicht näher beschriebenen Mann. Schüler wollen gehört haben, wie der Verdächtige drohte, jemanden umzubringen. Der Unbekannte soll sich mit einer dunkelhaarigen Schülerin unterhalten haben, die nun als Zeugin gesucht wird. Der Verdächtige hat den Angaben zufolge kurze blonde Haare und trug eine Jeans sowie einen roten Pullover. Er soll in Begleitung eines zweiten jungen Mannes in der Schule gewesen sein.

Dienstagmorgen, kurz nach neun Uhr: Polizisten mit Helm und Schutzweste eilen in die Schule, schicken alle Schüler zuerst auf den Hof, später ganz aus dem Gefahrenbereich. Ein Mannschaftswagen nach dem anderen fährt vor, umliegende Straßen werden gesperrt, Kamerateams beziehen Position. Hinter Absperrbändern spekulieren Schüler und Schaulustige über Geiselnahmen und Verletzte. Bei vielen werden Erinnerungen an den Amoklauf eines Schülers 2002 in Erfurt wach. Dabei erschoss ein 19-Jähriger aus Rache zwölf Lehrer, zwei Schüler, eine Sekretärin und einen Polizisten und tötete sich selbst. Er war zuvor der Schule verwiesen worden.

Falscher Alarm?

In der Berliner Schule mit mehr als 6000 Schülern und 260 Lehrern legt sich am Nachmittag die Aufregung. Je länger der Polizeieinsatz in den mehr als 300 Räumen ergebnislos bleibt, desto mehr Zuschauer treten den Heimweg an. Nach Ende der Durchsuchung am Mittag übernimmt die Kriminalpolizei die Ermittlungen und befragt Schüler und Lehrer.

Ob es sich um einen falschen Alarm handelte, will die Polizei nun vor allem von dem Schüler wissen, der den Bewaffneten gesehen haben soll. Zu seiner Aussage war am Nachmittag noch nichts bekannt. Ob Phantom oder nicht: "Wir nehmen solche Hinweise immer sehr ernst", versicherte Polizeisprecherin Heike Nagora. "Dafür ist die Berliner Polizei da." Unterricht gab es an dem Oberstufenzentrum am Dienstag nicht mehr, trotz der für einige Schüler bevorstehenden Abiturprüfungen.

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