• Grubenunglück in Chile: Verschütteter Bergmann: Noch nie war er so romantisch

Grubenunglück in Chile : Verschütteter Bergmann: Noch nie war er so romantisch

32 chilenische und ein bolivianischer Bergarbeiter warten in 700 Metern Tiefe auf ihre Rettung. Ein chilenischer Bergmann rührt seine Frau ganz besonders.

Liliana Ramirez, die Frau von Mario Gomez, mit seinem eingerahmten Brief.
Liliana Ramirez, die Frau von Mario Gomez, mit seinem eingerahmten Brief.Foto: AFP

Santiago de Chile - Als Liliana Ramírez den kleinen Brief ihres Mannes auseinanderfaltete, war sie fassungslos: „Er schreibt, dass er mich liebt. So was hat er mir noch nie gesagt, nicht einmal während unserer Verlobung war er so romantisch“, erzählt sie. Kurz zuvor hatte eine andere Nachricht des 63-Jährigen für Fassungslosigkeit gesorgt: Mit rotem Stift hatte er auf einen Zettel geschrieben, dass er und seine Kumpel noch leben. Mario Gómez ist der älteste der 33 Bergleute, die seit drei Wochen in einem Bergwerk in Chile verschüttet sind – und die Symbolfigur für deren Überlebenswillen.

Die 32 chilenischen und ein bolivianischer Bergarbeiter warten in 700 Metern Tiefe auf ihre Rettung; dass sie wahrscheinlich bis Weihnachten in dem Notschacht ausharren müssen, in dem sie sich nach dem Einsturz ihrer Mine geflüchtet hatten, haben sie erst jetzt erfahren. Schichtleiter und somit Chef der Truppe ist Luis Urzua – aber es ist Mario Gómez, der als Mentor der Verschütteten gilt. „Er ist wie ein Vater, der auf seine Kinder aufpasst“, sagt Gino Erazo, der lange mit Gómez zusammengearbeitet hat. Erazo glaubt, dass die Moral der eingeschlossenen Gruppe, deren jüngstes Mitglied gerade mal 19 Jahre alt ist, ganz wesentlich von Gómez’ Führung abhängen wird.

Trotz ihrer 31-jährigen Ehe kennt Liliana ihren Mann nur als Bergarbeiter. Mit zwölf Jahren lernte er das harte Handwerk von seinem Vater, seitdem hat er nichts anderes getan. Ein „Arbeitstier“ sei er, sagt seine Frau. In der kleinen Gold- und Kupfermine San José am Rand von Copiapo in der Atacama-Wüste, in der er nun festsitzt, war er seit neun Monaten beschäftigt und verantwortlich für den Transport der Metalle. Ende des Jahres wollte der 63-Jährige in Rente gehen.

Nach Einschätzung des französischen Bergbauexperten Michael Siffre sind Führungsfiguren wie Gómez entscheidend, um Panik zu verhindern. AFP

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben