Welt : Grüße im Ruß Kaprun-Prozess: Streit um Akten /Angehörige trauern in Linz

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Von Paul Kreiner, Linz

Mit einem für viele Teilnehmer bedrückenden Ortstermin ist die vierte Verhandlungswoche im Prozess um das Brandunglück in der Gletscherbahn Kaprun zu Ende gegangen: Das Salzburger Landesgericht tagte in einer Linzer Werkshalle - vor dem zusammengeschmolzenen Wrack der „Kitzsteingams“ und dem verrußten Zwillingszug „Gletscherdrachen". Von den elf Überlebenden der Katastrophe, die als Zeugen aussagen sollten, ließen sich neun entschuldigen. Sie teilten dem Gericht mit, sie seien psychisch nicht in der Lage, den Zug noch einmal zu sehen. Dafür kamen zahlreiche Hinterbliebene, um noch einmal um ihre Angehörigen zu trauern. Manche schrieben deren n mit dem Finger in die Rußschicht des Zugs, etwa: „Rado, wir lieben dich.“ Grablichter standen vor den Wagen. Vertrocknete Blumen waren von einem früheren Besichtigungstermin noch übrig geblieben.

Gleichzeitig ist ein heftiger Zwist zwischen der Justiz und der Kriminalpolizei entbrannt. Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat und etliche Verteidiger beschuldigten das österreichische Innenministerium, Beweise zurückgehalten zu haben. Im Wagen eines Wiener Kriminaltechnikers, der in Linz als Zeuge aussagen sollte, waren elf Aktenordner und eine große Schachtel mit Dokumenten, Fotos und Videos aufgetaucht. Diese stammten von Beamten der Kriminaltechnischen Zentralstelle des Ministeriums, die nach dem 11. November 2000 als erste an den Unglücksort vorgedrungen waren. Weil das Gericht aber dann eigene Gutachter mit den Ermittlungen beauftragte, zogen sich die Wiener Kriminaltechniker im Streit zurück und haben es aus noch nicht geklärten Gründen unterlassen, dem Gericht die Akten vollständig zu überstellen. Die nun aufgetauchten Ermittlungsergebnisse könnten die Beweislage drastisch verändern.

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