Guatemala : Vertrocknete Ernte

Nach Dürre sind in Guatemala 460 Menschen verhungert –  Parlament will keinen Notstand verhängen.

Sandra Weiss[Puebla]

Wegen einer Hungersnot wollte Guatemalas Präsident Alvaro Colom den Notstand über das mittelamerikanische Land verhängen – doch das Parlament verweigerte ihm die Zustimmung. Das erforderliche Quorum von 105 der 158 Parlamentarier wurde nicht erreicht. Die Abgeordneten werden sich am kommenden Mittwoch erneut mit der von Colom verlangten Dringlichkeitsmaßnahme befassen.

In Guatemala ist eigentlich im Sommer Regenzeit, doch seit Wochen fällt kaum Niederschlag. Dramatisch ist die Lage insbesondere in ländlichen Gemeinden, in denen die indigene Bevölkerung vom Anbau von Mais und Bohnen für den Eigenbedarf lebt. Durch die ausbleibenden Niederschläge vertrocknete über die Hälfte der Ernte. Bislang verhungerten dem Gesundheitsministerium zufolge 462 Menschen, darunter 54 Kinder. Akut betroffen sind demnach 54 000 Familien, weitere 400 000 Familien könnten bis Jahresende von der Hungersnot betroffen sein.

„Guatemala hat seit Jahrzehnten einen hohen Anteil von armen, notleidenden und hungernden Menschen“, erklärte Colom. Schreiende Ungleichheit sei der eigentliche Grund für die Nahrungsmittelkrise, sagte der Sozialdemokrat. Es gebe genug Lebensmittel, aber 51 Prozent der Bevölkerung könnten sie nicht kaufen. Besonders benachteiligt sind die Ureinwohner, die 60 Prozent der Bevölkerung und 75 Prozent der Armen stellen.

Auch der UN-Beauftragte für Nahrungssicherheit, Olivier de Schutter, übte Kritik: „Guatemala ist ein sehr reiches Land, aber mit einem sehr schwachen und armen Staat und einem strukturellen Armutsproblem.“ Bereits am Mittwoch hatte Colom die internationale Gemeinschaft um Unterstützung gebeten und Nothilfen angekündigt. Das UN-Welternährungsprogramm begann mit der Verteilung von 20 Tonnen Keksen mit hohem Nährstoffgehalt. Laut UN ist die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren in Guatemala unterernährt.mit AFP

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