Guerilla-Aktion : Alles auf Google

Ein Netzaktivist wirbt dafür, auch die Street-View-Verweigerer gegen deren Willen in die digitale Öffentlichkeit zu zerren. Gepixelte Häuser sollen ungepixelt im Netz landen.

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Bei Twitter beschreibt sich Jens Best als „Biografie writer, social media maniac, scifi-fan, diver, world lover“. Auf Xing bietet sich der Internetfreak als Referent, 2.0-Experte oder wenn gewünscht auch als Spezialist für „Guerilla-Marketing“ an, mit einer Vorliebe für Tauchen, Segeln und Sprachkenntnissen in Englisch und Spanisch. Im Blog „Rebellenmarkt“ nennt er sich „Sprecher der Digitalen-ArmeeFraktion“. Sein Headquarter steht in Berlin und Mitglied ist er unter anderem bei der Filmlounge Berlin und der Tauchervereinigung PADI. Wer will, kann auf Facebook seine Freunde kennenlernen. Man kann Jens Best also nicht vorwerfen, er verweigere sich der öffentlichen Digitalisierung seiner Persönlichkeit. Das ist ihm aber nicht genug. In der Debatte um das umstrittene Projekt Google Street View wirbt der Allround-Netzaktivist jetzt dafür, auch die Street-View-Verweigerer gegen deren Willen in die digitale Öffentlichkeit zu zerren. In einer Gemeinschaftsaktion sollen nach dem für Ende des Jahres angekündigten Start von Street View die Häuser fotografiert werden, die in Street View verpixelt wurden. Anschließend würden sie ungepixelt ins Netz eingespeist.

Dazu zumindest ruft Best per Twitter und in einer eigens eingerichteten Internetcommunity unter dem Titel „Aktion Verschollene Häuser – We bring the public back to Germany“ auf. In der Community, die schon fünf Landesverbände präsentiert, soll über „praktische, rechtliche und gesellschaftsrelevante Aspekte der Aktion“ diskutiert werden. Sogar „vernünftige Kritiker“ dürfen da mitreden. Das „Recht auf einen Digitalen Öffentlichen Raum“ sieht der Initiator in Gefahr. Best will mit der Aktion vor allem eine Debatte anregen. Für das Recht auf Fotografie im öffentlichen Raum, sagte er „Spiegel online“, wäre er zur Not auch bereit, ins Gefängnis zu gehen.

Eine ungewollte Guerilla-Aktion war jetzt schon auf der Onlineseite der „Rheinischen Post“ zu bewundern. Ludwig Hillesheim erklärt dort seinen Widerwillen gegen Street View. „Ich sehe nicht ein“, so ist der Düsseldorfer zitiert, „dass jemand ohne mein Einverständnis mein Haus fotografiert.“ Für diesen Protest ließ er sich von der Zeitung stolz vor seinem Haus fotografieren. Wie alle Artikel wurde auch dieser samt Foto in der Onlineausgabe der Zeitung veröffentlicht. Damit sind er und sein Haus ungepixelt im Netz zu sehen. Das Foto und die Geschichte sind jetzt ein Renner im Internet.

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