• Gutachter: Dutroux hat Julie und Melissa verhungern lassen Wollte der mutmaßliche Kinderschänder erneut fliehen?

Welt : Gutachter: Dutroux hat Julie und Melissa verhungern lassen Wollte der mutmaßliche Kinderschänder erneut fliehen?

Klaus Bachmann[Brüssel]

Julie und Melissa, die beiden achtjährigen Mädchen, die Dutroux in sein Kellerverlies einsperrte, als er Anfang Dezember 1995 wegen einer anderen Strafsache ins Gefängnis musste, können ihre Gefangenschaft nach menschlichem Ermessen nicht überlebt haben. Dies erklärte am Donnerstagnachmittag der belgische Ernährungsexperte Jaroslaw Kolanowski den Geschworenen im Arloner Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Marc Dutroux. Kolanowski widerlegte damit eine frühere Behauptung Dutroux’, er habe die Kinder sterbend angetroffen, als er nach über drei Monaten Gefängnis im März 1996 nach Hause zurückgekehrt sei. Nach Ansicht Kolanowskis müssen die Kinder entweder viel früher an Wassermangel gestorben sein oder Hilfe von einer dritten Person bekommen haben.

Dutroux’ Frau Michelle Martin hat den Kindern während der Haftzeit ihres Mannes nach eigener Aussage nur einmal Proviant gebracht. Für die Existenz einer dritten, bis heute nicht identifizierten Person spricht eine DNA-Spur, die im Keller gefunden wurde und die in einem von Julie Lejeune stammenden Blutfleck an der Wand entdeckt wurde. Doch die Experten der Polizei, die am Donnerstag dazu gehört wurden, konnten nicht einmal präzisieren, um welche Art Gewebe es sich dabei gehandelt hat.

Medien und Politik beschäftigten sich in den letzten Tagen auch mit der Frage, ob Dutroux erneut eine Flucht aus der Haft plant – so wie schon 1998. Am Dienstag hatten Beamte einen Handschellenschlüssel in einem alten Salzfass gefunden, zu dem Dutroux Zugang hatte. Nach zwei Tagen geheimer Ermittlungen sagte Außenminister Louis Michel in Brüssel, für ihn sei klar, dass Dutroux mit Hilfe von Unbekannten habe fliehen wollen. Justizministerin Laurette Onkelinx, die dem Parlament Rede und Antwort stehen musste, sah das gelassener: Das Salzgefäß sei von Dutroux in letzter Zeit nicht mehr benutzt worden, Zugang dazu habe er nur über einen Justizbeamten gehabt. Es sei nicht klar, ob der uralte Schlüssel zu seinen Handschellen gepasst habe.

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