Gutachter im Hordorf-Prozess: : Strecke galt als sehr gefährlich

Die Gefährlichkeit der Bahnstrecke des folgenschweren Zugunglücks von Hordorf war offenbar jahrelang bekannt. Nun sagen Ersthelfer vor dem Magdeburger Landgericht aus.

Die Stille danach. Experten untersuchen die Unglücksstelle bei Hordorf nach Spuren.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
31.01.2011 11:57Die Stille danach. Experten untersuchen die Unglücksstelle bei Hordorf nach Spuren.

„Die Strecke war höchstgefährlich,“ sagte ein Gutachter für Eisenbahnsicherheit von der TU Berlin am Donnerstag vor dem Magdeburger Landgericht. Das Risiko für solche Unfälle sei sehr hoch gewesen. Bereits 2008 sollte die Strecke mit einem automatischen Bremssystem ausgerüstet werden. Dies erfolgte aber erst nach dem Unglück.
Der Experte hatte nach dem tödlichen Bahnunglück in Hordorf ein Versicherungsgutachten erstellt. Ihm sei dabei auf der Strecke aufgefallen, dass auch Monate nach dem Unglück eine Kilometertafel gefehlt habe und das Hauptsignal schlecht zu erkennen gewesen sei.
Er bemängelte, dass keine Lichtstärkenuntersuchung durchgeführt worden sei. Zudem wurden am Donnerstag mehrere Ersthelfer als Zeugen befragt. Darunter ein Mann aus, der neben der Strecke wohnt und ein Feuerwehrmann, der aber zurzeit in Afghanistan ist und dessen Vernehmung über eine Videokonferenz erfolgte. Sie beschrieben unter anderem, wie sie die zweite Lok des Güterzuges vorgefunden hatten.
Sie soll beleuchtet gewesen sein und Papiere sollen verstreut herum gelegen haben.

Zugunglück in Sachsen-Anhalt
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31.01.2011 11:57Die Stille danach. Experten untersuchen die Unglücksstelle bei Hordorf nach Spuren.

Der 41-jährige Angeklagte soll am 29. Januar 2011 als Lokführer mit seinem Güterzug zwei Haltesignale überfahren und damit auf einer einspurigen Strecke einen Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Personenzug verursacht haben. Bei dem Unglück starben zehn Menschen, 22 wurden verletzt. Der Lokführer muss sich seit 8. Oktober wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und Gefährdung des Bahnverkehrs vor Gericht verantworten. Das schwere Zugunglück mit zehn Toten und vielen Verletzten hatte eine Debatte über die Sicherheit auf Bahnstrecken ausgelöst (dapd/tsp)

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