Welt : H5N1 ungelöst

Katzen blieben gesund, obwohl sie das Virus in sich trugen / Forscher fordern mehr Gelder

Dagny Lüdemann

Berlin - Zwei von drei Katzen aus einem Tierheim im österreichischen Graz, bei denen das H5N1-Virus nachgewiesen worden war, sind nicht an der Vogelgrippe erkrankt. Bergen diese Katzen ein Geheimnis in sich? Sind sie immun gegen den gefürchteten Erreger?

Nein, meint Deutschlands führender Grippeforscher Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg. „Es ist denkbar, dass sie nur geringe Mengen des Virus aufgenommen hatten und es erfolgreich abwehren konnten“, sagte er dem Tagesspiegel. Die drei Katzen lebten in einem Tierheim in der Steiermark neben Vogelkäfigen, in denen ein mit H5N1 infiziertes Geflügel untergebracht war, bestätigte ein Sprecher des Tierheims. Ob die beiden nicht erkrankten Katzen möglicherweise doch über besondere Eigenschaften verfügten, die sie bei der Abwehr des Vogelgrippevirus stark machten, möchte Klenk nicht völlig ausschließen: „Es gibt zu wenige Forschungsbeispiele, bei denen Katzen infiziert wurden“, sagt der Virologe. „Man müsste das Auftreten von Krankheitssymptomen durch H5N1 in Abhängigkeit zur gegebenen Virendosis untersuchen“, schlägt er vor. Klenk äußert sich vorsichtig, seit in der vergangenen Woche Forscher in die Kritik gerieten, weil sie es für unwahrscheinlich hielten, dass Katzen sich in freier Wildbahn mit dem Vogelgrippevirus anstecken könnten. Auf Laborversuche, bei denen es gelungen war, Katzen mit H5N1 zu infizieren, hatten sie stets hingewiesen.

Derzeit wirft die Vogelgrippe täglich neue Rätsel auf – die Wissenschaft soll sie lösen. Die Forscher beschäftigen sich nicht erst seit dem Ausbruch der Vogelgrippe auf Rügen mit Influenza-Viren – seit Jahrzehnten kämpfen sie um ausreichend Forschungsgelder. „Viele Jahre lang wurde die normale Influenza unterschätzt. Und gegen Grippe bei Tieren wurden keine hochspezifischen Impfstoffe entwickelt“, sagt Klenks Mitarbeiter Wolfgang Garten. Er räumt zwar ein, dass früher die dazu notwendigen biotechnischen Methoden noch nicht so weit entwickelt waren – doch auch die Methodenforschung hätte mit entsprechenden Fördermitteln schneller gehen können. Aber der Marburger Professor ist optimistisch: „Wir haben inzwischen die Möglichkeit, schnell wirksame Impfstoffe herzustellen.“ Um Influenza-Pandemien mit guten Medikamenten begegnen zu können, muss „in die Zukunft investiert werden,“ fordert Garten.

Vielleicht bleibt dann ja auch genug Geld, um dem Geheimnis der Katzen aus der Steiermark auf den Grund zu gehen.

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