Welt : Hacker können Handys kapern Ihre Java-Software ist noch nicht sicher

Oliver Bilger

Mobiltelefonen mit der Software-Plattform Java droht Gefahr von Hackern. Das Online-Computermagazin „tecChannel.de“ berichtete, dass unberechtigte Fremde ein in der Programmiersprache Java geschriebenes Programm benutzen können, um umfassenden Zugriff auf ein fremdes Handy zu erhalten. Erstmals sei es gelungen, die vermeintlich sichere Java-Software zu knacken: So könnten gespeicherte Daten ausspioniert oder teure Mobilfunkdienste aktiviert werden. Von dieser Schwachstelle könnten alle javafähigen Telefone betroffen sein. Einer Studie des Handyherstellers Nokia zufolge sind dies mindestens 250 Millionen Geräte weltweit.

Moritz Jäger, Redakteur bei „tecChannel.de“, erklärt, wie ein Hacker die Sicherheitslücke nutzen kann: Es wird ein Programm geschrieben, das vom Handybenutzer mit einem Spiel oder einem Bildschirmschoner auf das Telefon geladen wird. Damit umgeht das Programm die Sicherheitseinstellungen des Handys. So erlangt der Hacker die Kontrolle über alle Funktionen des Telefons und kann auf das Adressbuch oder SMS zugreifen.

Jäger warnt zudem: „Der Hacker kann sich bei teuren 0190er-Nummern einwählen, E-Mails verschicken oder eine Verbindung zum Internet aufbauen, ohne dass der Benutzer eine sonst übliche Rückfrage erhält.“ Die Programme lassen sich im Speicher des Gerätes ablegen und werden jedes Mal mit dem Handy neu gestartet“, sagt Jäger. „Wie ein Trojaner auf einem Computer“. Der Benutzer merke von alledem nichts – erst auf seiner Telefonrechnung.

Beim Herunterladen von Klingeltönen bestehe die Gefahr aber nicht. Noch sei die Wahrscheinlichkeit gering, Opfer eines solchen Handy-Hackers zu werden, da denen bisher die entsprechende Software dafür fehle. Ein „ethischer“ Hacker habe die Schwachstelle entdeckt: „Der Mann findet die Sicherheitslücke und meldet sie“, erklärt Jäger. So habe der Hacker den Handyhersteller Siemens und den Java-Erfinder Sun Microsystems auf das Problem hingewiesen. Außerdem würde es noch sechs Monate dauern, bis entsprechende Hacker-Software im Internet verfügbar sei.

Sun habe mittlerweile bestätigt, dass es die Schwachstelle tatsächlich gebe und bereits Software-Updates an die Handyproduzenten ausgeliefert, heißt es bei „tecChannel.de“.

Jäger rät Besitzern von Mobiltelefonen aufzupassen, welche Dateien sie auf ihr Handy laden. Man solle sich dabei nur aus sicheren Quellen bedienen. Auch Siemens-Pressesprecher Florian Gersbach empfiehlt, die Gefahren so zu umgehen. Handys nähern sich technisch immer mehr dem PC an und würden dadurch stärker ins Visier von Hackern geraten, erklärt Gersbach.

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