Haftbeschwerde : Kachelmann sucht die Entscheidung

Der Anwalt von Jörg Kachelmann hat Beschwerde gegen die Untersuchungshaft des TV-Wettermoderators eingelegt. So will er Kachelmann freigbekommen.

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Kampf um die öffentliche Meinung. Jörg Kachelmann und sein Verteidiger Reinhard Birkenstock (links).
Kampf um die öffentliche Meinung. Jörg Kachelmann und sein Verteidiger Reinhard Birkenstock (links).Foto: ddp

Jörg Kachelmann will es jetzt wissen. Der Rechtsanwalt des unter Vergewaltigungsverdacht stehenden TV-Wettermoderators, Reinhard Birkenstock, hat erstmals eine förmliche Beschwerde gegen die seit drei Monaten andauernde Untersuchungshaft seines Mandanten eingereicht. Das Landgericht Mannheim bestätigte am Mittwoch den Eingang eines entsprechenden Schriftsatzes. Bislang hoffte er mit einem sanfteren Mittel, einem Antrag auf Haftprüfung, zum Ziel zu kommen. Ein Termin war für diesen Freitag angesetzt, er ist aber mit der Haftbeschwerde hinfällig geworden.

Sollte das Landgericht Mannheim, das demnächst über eine Zulassung der Anklage gegen Kachelmann entscheiden will, der Beschwerde nicht abhelfen, muss das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe in der Haftfrage entscheiden. Sollte auch dieser Beschluss gegen Kachelmann ausfallen, wäre das im Hinblick auf einen nahenden Prozess ein unangenehmes Signal für den Angeschuldigten: Es hieße, dass ein Obergericht weiter einen „dringenden Tatverdacht“ gegen Kachelmann sieht. Der 51-jährige Schweizer sitzt seit dem 20. März in Untersuchungshaft, weil er seine frühere Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben soll. Er bestreitet die Vorwürfe.

Offenbar hat Anwalt Birkenstock größeres Vertrauen zu den Karlsruher Richtern als zu denen in Mannheim. Birkenstock begründete die Beschwerde in Karlsruhe am Dienstagabend damit, dass die Mannheimer Justiz den Freiheitsanspruch Kachelmanns „auf skandalöse Weise missachtet“ und mit der Aufrechterhaltung des Haftbefehls „die Täterin einer Falschbeschuldigung“ schützt: Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragtes aussagepsychologisches Gutachten kommt laut Birkenstock zu dem Ergebnis, dass an der Behauptung von Kachelmanns Ex-Freundin, sie sei vergewaltigt worden, massive Zweifel bestehen. Zudem habe ein Rechtsmediziner festgestellt, dass die Vergewaltigung nicht wie geschildert stattgefunden haben kann und darum erfunden sein muss. Gleichwohl habe es das Landgericht Mannheim abgelehnt, Kachelmanns Ex-Freundin im Rahmen des für Freitag angesetzten Termins zu laden, um sie mit den Gutachten zu konfrontieren. Dies hätte der Sachaufklärung gedient und der Anzeigeerstatterin Gelegenheit gegeben, „im geschützten Raum des nicht öffentlichen Haftprüfungstermins ein Geständnis abzulegen“. Birkenstock nannte diese Weigerung des Landgerichts als wesentlichen Grund für die Beschwerde.

In Strafverteidigerkreisen gilt der Grund als vorgeschoben. Dort wirft man Birkenstock vor, viel zu spät zum Mittel der Haftbeschwerde gegriffen zu haben. Der Anwalt habe bisher halbherzig, wenn nicht kniefällig vor den Ermittlern agiert und sich offenkundig eine Lösung im Konsens versprochen. Diese Strategie scheint endgültig gescheitert.

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass die Mannheimer Richter trotz entlastender Indizien und Gutachten keine Anstalten machen, den Angeschuldigten freizulassen, und Birkenstock Kachelmanns Heil deshalb in der nächsten Instanz sucht. Ob mit Erfolg, ist offen. Die OLG-Richter werden eher nicht darauf dringen, in der Causa umfassend Beweise zu erheben – dies überlässt man lieber dem Tatgericht, also hier dem in Mannheim. Dennoch müssen sie sich in ihrem Beschluss dazu äußern, wie es um den Verdacht bestellt ist; zweiter Prüfungspunkt ist die Fluchtgefahr. Da Kachelmann mindestens fünf Jahre Haft drohen, wird es Tendenzen geben, ihn vorläufig im Gefängnis zu behalten. Oft machen es Tatrichter so: Mit dem Ablehnen der Haftbeschwerde teilen sie dem OLG mit, ob sie die Anklage zulassen und wann voraussichtlich der Prozess stattfindet. Im Gegenzug schwindet die Bereitschaft der höheren Richter, sich einzumischen. Ob Kachelmann also noch vor seinem Prozess freikommt, bleibt unklar. Fest steht nur: Der Fall beschleunigt sich. (mit AFP)

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