Haiti in Not : "Hier fehlt es an allem"

Regina Tauschek arbeitet seit drei Jahren für die Deutsche Welthungerhilfe. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht sie über das Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe in Haiti.

Tauschek
Regina Tauschek -Foto: promo

Frau Tauschek, Sie haben das Erdbeben selbst miterlebt. Wie schlimm ist das Ausmaß der Katastrophe in Port-au-Prince?



Es ist entsetzlich. Die Stadt ist dem Erdbeben gleichgemacht. Die Menschen müssen auf der Straße leben, da sie keine Häuser mehr haben. Alle sind in Not. Es ist kaum möglich, mit anderen zu kommunizieren, da die Telefonnetze völlig überlastet sind. Auch kann man sich nur sehr schwer in der Stadt fortbewegen, da überall Trümmer die Straßen blockieren.

Wie viele Menschen sind Ihrer Meinung nach betroffen?

Es ist von 100 000 Toten die Rede. Und wenn ich mich hier umschaue, kann ich mir gut vorstellen, dass das stimmt. Aber es ist sehr schwierig, einen Überblick zu bekommen. Die Zustände sind chaotisch.

Wie groß ist die Angst vor Nachbeben?

Wir spüren immer wieder leichtere Beben. Mein eigenes Appartement ist bei dem Erdbeben zerstört worden, und ich wohne nun mit einer Kollegin samt deren achtköpfiger Familie im Büro der Welthungerhilfe. Aber wir schlafen im Hof, im Haus zu schlafen trauen wir uns nicht.

Wie sehr sind Sie selbst und Ihre Kollegen betroffen?

Alle unsere Mitarbeiter haben überlebt. Und wir wissen auch, wo sie sind. Ich selbst habe alles verloren. Noch nicht einmal Schuhe sind mir geblieben, nur das, was ich am Leib trage. Aber in Kürze wird ein Nothilfeteam aus Deutschland eintreffen, mit dem wir das weitere Vorgehen abstimmen und planen werden.

Welche Hilfe wird vor allem benötigt?

Hier fehlt es an allem. An Häusern, Nahrung, Wasser und Strom, um die Krankenhäuser am Laufen zu halten. Auch das Benzin geht aus, viele Tankstellen sind beschädigt. Wichtig ist, jetzt möglichst schnell Strukturen aufzubauen, um die Maßnahmen zu koordinieren.

Wie läuft die Hilfe an, viele Organisationen schicken ja Helfer nach Haiti?

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wo die alle unterkommen sollen. Das Hotel „Montana“, in dem sonst immer die Internationalen wohnen, ist zerstört.

Das Interview führte Juliane Schäuble.

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