Halberstadt : Bewegende Trauerfeier für Opfer des Zugunglücks

In einer bewegenden Trauerfeier haben 800 Menschen im Dom zu Halberstadt der Opfer des Zugunglücks in der Magdeburger Börde gedacht.

Die Trauerfeier für die Opfer des Zugunglücks fand am Sonnabend im Halberstädter Dom statt.
Die Trauerfeier für die Opfer des Zugunglücks fand am Sonnabend im Halberstädter Dom statt.Foto: dpa

Alle Glocken der Stadt läuten. „Mitten im Leben reißt uns das Erschrecken aus dem Alltag“, sagt die Superintendentin des Kirchenkreises Halberstadt, Angelika Zädow, zu Beginn der bewegenden Trauerfeier für die Opfer des Zugunglücks in der Magdeburger Börde. 800 Menschen sind am Samstag in den Dom zu Halberstadt gekommen, um mit den Angehörigen zu trauern. Unter den Trauergästen sind neben Vertretern der Kirchen und der Landesregierung von Sachsen-Anhalt auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Bahnchef Rüdiger Grube.

Eine Woche zuvor waren in der Nähe des Bahnhofes Hordorf ein Güterzug und ein Zug des Harz-Elbe-Express frontal zusammengestoßen. Zehn Menschen starben, 23 wurden zum Teil schwer verletzt. Der größte Teil der Opfer stammt aus der Region im Vorharz.

„Wir trauern gemeinsam um die Toten. Unser Beileid gilt ihren Angehörigen, die noch fassungslos sind angesichts des großen Verlustes, den sie erleiden mussten“, sagt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Dann dankt er im Namen der Landesregierung allen, die nach dem Unglück geholfen und Trost gespendet haben, darunter vor allem den mehr als 300 Rettungs- und anderen Einsatzkräften für ihre schnelle und professionelle Hilfe.

Zugunglück in Sachsen-Anhalt
Die Stille danach. Experten untersuchen die Unglücksstelle bei Hordorf nach Spuren.Weitere Bilder anzeigen
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31.01.2011 11:57Die Stille danach. Experten untersuchen die Unglücksstelle bei Hordorf nach Spuren.

Besonders wendet Böhmer sich an die Einwohner von Hordorf, die als erste am Unglücksort waren. „Hordorf ist ein Ort gelebter Mitmenschlichkeit.“    Manche Trauergäste sind von weit her zu der Gedenkstunde angereits. So wie Ullrich Gellert. Der gebürtige Halberstädter lebt heute in Bayern und ist aus Ingolstadt gekommen. „Das ist alles so furchtbar und traurig“, sagt der 73-jährige Rentner.

Angehörige der Feuerwehr Oschersleben, die an der Unglücksstelle im Einsatz waren, entzünden im Dom zehn Kerzen, die ein Kreuz bilden. „Sie brennen zum Zeichen, dass die zehn Opfer nicht vergessen sind und in unseren Herzen weiterleben“, sagt die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann. Sie und der katholische Bischof des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige, sprechen den Angehörigen Trost zu.

Feige schließt in seine Fürsprache auch den Lokführer des Güterzuges ein. Nach bisherigen Untersuchungen hatte dieser zwei Haltesignale nicht beachtet und damit das Unglück ausgelöst. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

„Die Trauerfeier hat uns geholfen, das alles zu verkraften“, sagt Wehrleiter Günther Matthies aus Oschersleben im Anschluss. Mit Hilfe der Seelsorger, die sofort nach dem Einsatz mit der Arbeit begonnen hatten, hätten seine Männer das Ereignis ganz gut überstanden. Es werde jedoch noch eine Weile dauern, bis dies alles verarbeitet sei. (dpa)

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