Hamburg : Die Engel von Peterwagen 2 31

Autofahrer meldeten eine auf dem Brückengeländer kauernde Frau mit einem Kind. Wie zwei Polizisten in Hamburg verhinderten, dass eine Mutter mit ihrem Kind von der Köhlbrandbrücke springt.

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Der Schichtdienst in einer kalten Nacht bescherte Susanne Dudek (26) und ihrem Kollegen Christian Nuppenau (36) von Peterwagen 2/31 einen Einsatz, an den sie wohl noch lange denken werden. Per Funkspruch wurden die Hamburger Polizeibeamten zur Köhlbrandbrücke beordert. Autofahrer hatten eine auf dem Brückengeländer kauernde Frau mit einem Kind gemeldet. Angeschmiegt an ihren Schoß hielt die heulende Mutter ihren fünfjährigen Jungen, den sie mit in den Tod reißen wollte.

Das uniformierte Duo wollte beruhigend auf die Frau einreden, bei dem stürmischen Wind war es eher ein Anschreien. Nuppenau rief der verzweifelten Frau zu, nicht zu springen, aber die Antwort kam nicht von ihr, sondern von dem kleinen Jungen: „Wir wollen zum lieben Gott. Da ist es warm. Deshalb haben wir keine Schuhe an.“

Im Verlaufe eines minutenlangen Wortwechsels, bei dem auch die Frau zunehmend Worte fand, erfuhren Nuppenau und Dudek, dass der Vater der psychisch gestörten Frau an der gleichen Stelle bereits in den Tod gesprungen war, als sie gerade die Schwangerschaft des heute Fünfjährigen austrug. Doch die aktuelle Verzweiflung war eine ganz andere: Das Jugendamt wollte ihr aufgrund der Krankheit das Kind wegnehmen.

Es war der Fünfjährige, dem bei dem Drama eine Schlüsselrolle zufiel. Als er den Beamten sagte, was sie vorhätten, tat er das mit den Worten der Mutter, zu der er hielt. Auf die Aufforderung der Mutter, bis drei zu zählen und sich dann mit ihr in die Tiefe zu stürzen, blieb er aber stumm und gewann so Zeit. Gleichzeitig klebten seine ängstlichen Blicke an den beiden Polizeibeamten. Zentimeterweise hatten sich die Helfer inzwischen immer dichter an das Geländer begeben. Weitere Worte folgten, ehe die Frau plötzlich Nuppenau den Arm entgegenstreckte und sich mit ihrem Sohn von dem Beamten packen ließ. Längst waren weitere Polizisten aufgefahren, genauso wie ein Notarztwagen, die sich aber alle im Hintergrund hielten, um die Situation nicht zu beeinflussen.

Während die Frau einen Kreislaufzusammenbruch erlitt, schnappte sich Susanne Dudek das ruhig wirkende Kind und brachte es zur nahe liegenden Wasserschutzpolizei, wo als Erstbetreuung zunächst Eis und Schokolade aufgetischt wurden, ehe der Junge in die Obhut des Kinder- und Jugendnotdienstes übergeben wurde.

Mutter und Kind sind jetzt getrennt. Sie befindet sich in einer psychiatrischen Anstalt, während der Fünfjährige bei seiner Tante Unterschlupf gefunden hat. Und auch der Draht zu den beiden Engeln von Peterwagen 2/31 ist nicht abgerissen. Nuppenau und Dudek halten Kontakt zu dem Jungen und seinem neuen Zuhause. Zuletzt traf man sich gemeinsam zur Polizeishow.

Wie Andreas Schöpflin, Sprecher der Hamburger Polizei, sagte, gehören solche Einsätze zum Alltag. Bei Selbstmordfällen betreibt die Polizei keine Öffentlichkeitsarbeit. Das geschilderte Drama ist jetzt aber im Hamburger Polizei-Journal zur Sprache gebracht worden. Beide Lebensretter erhielten von Polizeipräsident Werner Jantosch eine Belobigung.

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