Hamburg : Geburtstagsflug in den Tod

Vier Menschen starben bei dem Absturz eines Wasserflugzeugs in Hamburg. Eines der Todesopfer, ein zwölfjähriger Junge, hatte den Rundflug zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Hamburg - Der Rundflug sollte sein größtes Geschenk zum Geburtstag werden. Ein Hamburger Junge an Bord des Wasserflugzeugs wird an diesem Tag zwölf. Mit dabei ist sein Stiefvater. Die Mutter bleibt mit einem Geschwisterteil auf dem Liegeplatzponton im City Sportboothafen zurück, als die Maschine am Sonntagvormittag gegen 10.00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein in den wolkenlosen Himmel über der Hansestadt startet. Kurz darauf das Unfassbare: Das Flugzeug zerschellt auf dem Hafenbahnhof Hamburg Süd. Während sich der Stiefvater und der Pilot noch aus den Trümmern schleppen können, stirbt der Junge in dem brennenden Wrack. Und mit ihm drei weitere Passagiere.

Vier Tote und zwei Schwerstverletzte - das ist die Schreckensbilanz des Flugzeugabsturzes von Hamburg. Kurz nach dem Abheben von der Norderelbe und einer lang gezogenen Südschleife über dem Freihafen rast der Hochdecker plötzlich dem Boden entgegen. Nach bislang unbestätigten Informationen soll der Motor ausgesetzt und der Pilot noch eine Notlandung versucht haben. Doch die schwerfällige Maschine prallt zwischen Veddeler Damm und Spreehafen zwischen abgestellte Kesselwagen und Waggons mit Containern und Stückgut.

Die Nachricht vom Absturz erreicht schnell auch die Teilnehmer des traditionellen Hamburger Motorradgottesdienstes, die an diesem Tag mit 38 000 Maschinen am "Michel" zusammengekommen sind. Sie gedenken mit einer Schweigeminute der Unglücksopfer. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU), Gast der Andacht, spricht den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus.

Noch am Nachmittag treffen drei Experten des Luftfahrt-Bundesamtes aus Braunschweig an der Absturzstelle ein und übernehmen die Untersuchungen zu Ursache und Hergang des Unglücks. Auch Hamburgs Innenstaatsrat Christoph Ahlhaus informiert sich vor Ort.

Der Betreiber des Flugzeugs, das seit Jahren zum gewohnten Bild am Hamburger Himmel gehört, ist die Firma Himmelsschreiber Azur GmbH. Der weiß-blaue einmotorige Hochdecker mit seinen markanten Schwimmkörpern bot Interessierten die Gelegenheit, etwa 20-minütige Rundflüge in rund 600 Meter Höhe über der Hansestadt zu unternehmen. Für den zwölfjährigen Hamburger Jungen wird es an seinem Geburtstag gemeinsam mit den anderen Passagieren ein Flug in den Tod. (Michael Best, ddp)

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