Welt : Hamburger Einzeltäter will auf diese Weise ein Naturschutzgebiet retten

Bei dem für Airbus zuständigen Dasa-Vorstandsmitglied Gustav Humbert ist eine schriftliche Morddrohung eingegangen. Das bestätigte am Mittwoch die Polizei in Hamburg. Am Donnerstag vor Ostern sei im Büro des 50-Jährigen bei der Dasa in Hamburg ein handschriftlicher Brief eingegangen, der aus nur einem Satz bestand.

Darin wird der Chef der Dasa-Tochter DaimlerChrysler Aerospace Airbus GmbH mit dem Tod bedroht, wenn das Landschaftsschutzgebiet Mühlenberger Loch für eine Erweiterung des Dasa-Werkes zugeschüttet wird. Der Sprecher der DaimlerChrysler Aerospace Airbus GmbH, Rolf Brandt, sagte zu möglichen Sicherheitsvorkehrungen lediglich: "Wir verfügen über ein umfangreiches Sicherheitssystem."

Die Umweltorganisation "Schutzbündnis für Hamburgs Elbregion" distanzierte sich am Mittwochnachmittag von dem Schreiben. "Wir sind entsetzt über die Morddrohung gegenüber Herrn Dr. Humbert und verurteilen diese aufs Schärfste", heißt es in einer Mitteilung der Organisation. Das Schutzbündnis bestehe auf sachlichen Argumenten und wünsche den Dialog mit der Dasa-Geschäftsleitung, hieß es.

Der laut Polizei "schwer lesbare" Brief lasse "in Aufmachung und Diktion" keinerlei Verbindungen zu einem möglichen linksextremistischen Protestspektrum zu. "Wir gehen davon aus, dass es sich um die spontane Reaktion eines älteren Mitbürgers auf die EU-Entscheidung handelt", betonte Polizeisprecher Hans-Jürgen Petersen.

Die EU-Kommission in Brüssel hatte genehmigt, dass Teile dieses Landschaftsschutzgebietes im Süßwasserwatt der Elbe für eine Erweiterung des Airbus-Werksgeländes in Hamburg-Finkenwerder zugeschüttet werden darf. Sollte Hamburg den Zuschlag für die Endmontage des Großraumflugzeuges A3XX erhalten, müsste ein Viertel der Wattfläche aufgefüllt werden.

Bei dem Absender der Morddrohung handelt es sich nach Angaben der Polizei möglicherweise um einen direkt von der Zuschüttung des Mühlenberger Loches Betroffenen. Das Hamburger Landeskriminalamt ermittelt jetzt gegen den Absender des Briefes wegen Bedrohung des Dasa-Managers.

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