Welt : Hamstern mit Polizeischutz

Sieben Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center haben die New Yorker mit ihrer Halloween-Parade demonstriert, dass die Terroristen ihnen nicht den Humor geraubt haben. Der für seine originellen Kostüme bekannte Umzug brachte in der Nacht zum Donnerstag die eingestürzten Zwillingstürme des World Trade Center - in Manneshöhe - wieder auf die Beine und verulkte Osama bin Laden als Sumokämpfer "A sumo bin Laden". Im Zeichen der vielen Postsendungen mit Milzbranderregern verkleidete sich eine New Yorkerin als puderbedecktes "Anthrax"-Paket, adressiert an den Terroristenführer Osama bin Laden in Afghanistan.

Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen
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Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Bewacht wurde der lange Umzug durch die Straßen des Künstler- und Studentenviertels Greenwich Village durch mehr als 2000 Polizisten und Bombenexperten. Das waren doppelt so viele wie in der Vergangenheit, hieß es am Donnerstag aus dem Polizeipräsidium. Nach einem Bericht der "New York Times" warteten Spezialtrupps für Massenvernichtungswaffen sowie F-15-Kampfflugzeuge im Hintergrund, um im Notfall ins Village oder das Yankee-Stadium in der Bronx entsandt zu werden. Dort wurde parallel zur Halloween-Feier das vierte Spiel der Baseball-"World Series" ausgetragen.

Östrogene gegen Terroristen

Nach den "Ghost Busters" der 90er Jahre traten erstmals "Jihad Busters" in Schutzanzügen zur nächtlichen Parade für das ehemals keltische Gruselfest an. Einer hatte einen Kanister mit einem Schlauch auf dem Rücken und versprach, jeden Terroristen mit dem weiblichen Hormon Östrogen zu besprühen.

Einige Bergungsarbeiter kamen in Stiefeln und Helmen aus dem Katastrophengebiet im Süden Manhattans und machten mit beim Halloween-Zauber. Touristen bestätigten, noch nie dergleichen erlebt zu haben. Eine französische Familie war dem Ruf von Bürgermeister Rudolph Giuliani gefolgt und eigens für die Halloween-Parade nach New York geflogen.

Auch in anderen US-Staaten haben Millionen von Amerikanern ungeachtet der jüngsten Terrorwarnungen Halloween gefeiert. Wegen der Angst vor neuen Anschlägen und Milzbrand-Infektionen wurden fast überall die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Im Castro-Viertel von San Francisco in Kalifornien, wo auch in diesem Jahr mehrere hunderttausend Menschen verkleidet auf der Straße feierten, waren Hunderte von Polizisten im Einsatz. In dem Szene-Stadtviertel waren Matrosen-, Soldaten- und patriotische Kostüme, wie das der Freiheitsstatue, der Renner. Masken des Terroristenchefs Osama bin Laden und von blutrünstigen Monstern waren nicht beliebt. Mehrere Stadtverwaltungen hatten Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder in diesem Jahr nicht - nach altem Brauch - auf der Jagd nach Süßigkeiten von Tür zu Tür zu schicken.

Nach US-Medienberichten vom Mittwochabend herrschte jedoch vielerorts unverminderter Andrang. Viele Erwachsene befolgten den Rat der Gesundheitsbehörde, geschenkte Süßigkeiten zu untersuchen und unverpackte Ware von Kindern fern zuhalten. In der "Mall of America" in Minnesota, dem größten Einkaufszentrum Amerikas, halfen Polizei und Feuerwehr beim Verteilen der Süßigkeiten.

Spielzeugpistolen verboten

Viele Ladenketten baten Kunden, keine Masken zu tragen. In einigen Geschäften waren Spielzeugwaffen verboten. In New York standen Beamte bereit, um Kinder beim Süßigkeiten hamstern zu begleiten. Kein Glück hatten die Kinder dieses Mal in einem Haus in San Francisco: Auf einem großen Schild im Fenster erklärten die Bewohner vorsorglich, dass ihr Halloween-Budget für Bonbons in diesem Jahr für die Terroropfer in New York gespendet wurde.

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