Welt : Hannelore Kohl: Stille Trauer

Helmut Kohl zieht sich in seiner Trauer zurück. Am Tag nach dem Selbstmord seiner Ehefrau Hannelore hält sich der Alt-Bundeskanzler in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim rund zwei Dutzend wartende Journalisten und kondolierende Bürger gleichermaßen vom Leibe. Die Polizei hilft ihm dabei, indem sie das schlichte Anwesen in der Marbacher Straße 11 abgeriegelt hat - in etwa 100 Metern Entfernung stehen beiderseits des Bungalows Gitter, wie sie sonst bei Demonstrationen eingesetzt werden. Anwohner können dort Blumen und Beileidsschreiben abgeben, junge Bereitschaftspolizisten legen sie vor dem Hauseingang ab.

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Das Leben der Hannelore Kohl Hannelore Kohl war in dem Ludwigshafener Vorort eine bekannte und beliebte Persönlichkeit. Viele Anwohner schätzten ihr zuvorkommendes Wesen und ihr soziales Engagement. "Mein Sohn ist mit ihrem Sohn zur Schule gegangen. Was Frau Kohl für dieses Land getan hat durch die Liebe, die sie ausstrahlte, kann man gar nicht ausdrücken", sagt eine Anwohnerin, den Tränen nahe. "Sie war eine so patente Frau, ich bedauere das sehr", sagt eine andere.

Ein Nachbar, der an diesem warmen Sommermorgen an dem Trauerhaus vorbeikommt, gibt seine Blumen wortlos am Gitter ab, bemüht, den neugierigen Journalisten auszuweichen. Viele äußern Verständnis für die Absperrung. "Ich finde das nicht richtig, wie das Haus umlagert wird. Es ist doch klar, dass er jetzt allein sein will", sagt eine ältere Dame, die sich in respektvoller Entfernung vom Absperrgitter hält.

Als Helmut Kohl am Vormittag kurz vor das Haus tritt, klicken und surren sämtliche Kameras wie auf Befehl. Nur wenige Besucher werden zum Alt-Bundeskanzler vorgelassen, während er die Vorbereitungen für die Trauerfeierlichkeiten trifft. Die Trauerfeier wird am Mittwoch im Speyerer Dom stattfinden.

Viel wird in den Straßen Oggersheims über die näheren Todesumstände von Hannelore Kohl spekuliert. Polizei und Staatsanwaltschaft jedoch halten sich bedeckt. "Wir haben uns darauf verständigt, dass wir uns dazu nicht äußern", sagt Sibylle Fohs, die Sprecherin des Präsidiums Rheinpfalz.

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