Welt : Hannelore Kohl: Wenn die Sonne krank macht

Hartmut Wewetzer

Hannelore Kohl soll an einer seltenen und besonders schweren Form von "Lichtallergie" gelitten haben. Welche Bedeutung hat Licht für Hautleiden? Dass die lebensspendende Sonne auch schaden kann, hat wohl jeder schon einmal an der eigenen Haut durch eine meist unkomplizierte Gesundheitsstörung erfahren - dem Sonnenbrand. Wegen der bei chronischer Belastung drohenden Hautkrebsgefahr warnen Dermatologen seit Jahren davor, sich zu lange in die Sonne zu legen oder im Solarium sich zu starker UV-Strahlung auszusetzen.

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Das Leben der Hannelore Kohl Im streng medizinischen Sinn kann man zwar nicht "allergisch" gegen Licht werden, wie das bei Blütenpollen der Fall ist. Wohl aber gibt es eine Reihe typischer "Lichtleiden", von den Hautärzten Photodermatosen genannt. "95 Prozent dieser Hautleiden sind banal, nur fünf Prozent sind gefährlich", sagt die Hautärztin Gisela Albrecht vom Krankenhaus Spandau. Eine Möglichkeit besteht darin, dass Hautkrankheiten durch starkes Sonnenlicht ausgelöst oder verschlimmert werden. Dazu gehören Neurodermitis und Schuppenflechte, aber auch die mit verdickte und geröteter Haut einhergehende Immunkrankheit Lupus erythematodes.

Ziemlich häufig ist die "polymorphe Lichtdermatose": Urlauber, die es aus unseren kühl-regnerischen Breiten ins sonnige Ägypten zieht, bekommen plötzlich an den sonnenbeschienenen Stellen juckende Rötungen, Bläschen oder kleine Hautknötchen. Woher dieses Leiden rührt, ist meist nicht bekannt. Wer aber über seine Veranlagung Bescheid weiß, kann sich mit langsamer Gewöhnung an das Sonnenlicht und mit Lichtschutz darauf einstellen. Vor der Sonne verstecken muss er sich nicht.

Eine ganz andere Ursache hat die sehr seltene Mallorca-Akne. Unter südlicher Sonne bekommen manche Menschen auf Schultern, Brust und Rücken eine heftige Akne, die durch fettige Sonnenschutzmittel noch gefördert wird. Es dauert Wochen, bis das Hautleiden sich zurückgebildet hat.

Bestimmte Substanzen können gemeinsam mit Sonnenlicht die Haut reizen (Phototoxizität) oder aber gemeinsam mit der UV-Strahlung der Sonne eine echte, allerdings seltene allergische Reaktion in Gang bringen (Photoallergie). "Phototoxisch" kann der Körper zum Beispiel auf Wiesengräser in Verbindung mit Sonnenlicht reagieren - dann ist genau an den Stellen, an denen der Betroffene im Gras lag, die Haut gerötet, geschwollen oder mit Bläschen übersät. Auch Duftstoffe wie Moschus und Berloque (früher in Kölnisch Wasser und in Erfrischungstüchern enthalten) können dem Körper einen scharfen "Sonnenbrand" einhandeln.

Körpereigene Stoffe wie die Porphyrine - Bausteine des roten Blutfarbstoffs - können gemeinsam mit Sonnenlicht in der Haut ebenfalls zu heftigen Reaktionen führen. Auch eine ganze Reihe von Medikamenten, die sich in der Haut anreichern, können "giftig" werden. Lange bekannt ist, dass Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline "phototoxisch" wirken können.

Hannelore Kohl gehörte offenbar zu den seltenen Opfern einer chronischen, also ständig vorhandenen hohen Lichtempfindlichkeit der Haut. Als mögliche Ursache dieses Leidens kommen unter anderem bestimmte chemische Substanzen oder Medikamente in Frage. Man nimmt an, dass die Hautentzündung in diesen Fällen auch ohne den ursprünglich krankmachenden Stoff weiter existiert und Licht allein ausreicht, um das Leiden fortbestehen zu lassen.

Allerdings gilt Penicillin, gegen das Hannelore Kohl allergisch war und das sie als möglichen Auslöser ihrer chronischen "Lichtallergie" angesehen hat, nach heutiger Lehrmeinung in diesem Fall nicht als Verdächtiger. Zwar kann eine Penicillin-Allergie sich auch an der Haut manifestieren und im Extremfall tödlich sein, doch diese körperlichen Reaktionen haben mit zusätzlicher Einwirkung von Sonnenlicht nichts zu tun.

Menschen mit chronischer Lichtempfindlichkeit sind durch ein stark juckendes, mitunter quälendes Ekzem an den lichtbeschienen Körperarealen stark beeinträchtigt. Die Haut ist rot, an einigen Stellen verdickt, gefurcht und kann sich schuppen. Die Betroffenen müssen Licht meiden, ihre Haut mit speziellen Schutzcremes behandeln und brauchen unter Umständen auch Medikamente, die zum Beispiel die heftige Entzündungsreaktion der Haut abschwächen.

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