Hansa Stavanger : Entführter Frachter wieder frei

Der vor vier Monaten gekaperte und erst kürzlich wieder freigekaufte deutsche Frachter "Hansa Stavanger" ist am Samstag in der kenianischen Hafenstadt Mombasa eingetroffen.

Stavanger
Vier Monate nach seiner Entführung ist der deutsche Frachter "Hansa Stavanger" wieder frei. Die somalischen Piraten sollen ein...Foto: dpa

MombasaDas Containerschiff mit 24 Mann Besatzung, darunter fünf Deutschen, war am 4. April rund 400 Seemeilen vor der somalischen Küste in die Fänge von Seeräubern geraten und erst am vorigen Montag gegen Zahlung eines Lösegelds von angeblich zwei Millionen Euro wieder freigekommen. Das Schiff warf im Hafen etwa 300 Meter vom Liegeplatz entfernt zunächst Anker. Offenbar wurde es vor dem Anlegen noch auf Sprengstoff durchsucht.

Angehörige und Mitarbeiter des Eigners, der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg, warteten in Mombasa auf die Crew. Kapitän Krzysztof Kotiuk sagte nach dem Einlaufen seines Schiffes in Mombasa: "Es ist immer noch stressig, aber uns geht es gut, wir sind glücklich, gesund und froh." Zuvor hatte er von einem Martyrium mit Scheinhinrichtungen und anderen Schikanen der Piraten während der viermonatigen Geiselhaft berichtet.

Strikte Sicherheitsvorkehrungen

Der Frachter wurde von der Fregatte "Brandenburg" der Deutschen Marine bis in den Hafen begleitet. Am Kai trafen Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) ein. Sie wollen unmittelbar nach Ankunft des Frachters an Bord ihre Ermittlungen aufnehmen. Spezialisten werden das Schiff auf Schäden überprüfen.

Vor der Ankunft der "Hansa Stavanger" waren strikte Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Am Kai, an dem das Schiff festmachen soll, postierten sich private Sicherleute. Mit Gabelstaplern wurde ein Sichtschutz aus Containern errichtet, offenbar um das Filmen des Schiffs zu verhindern.

Kritik an der Bundesregierung

Der Bundeswehrverband warf der Bundesregierung unterdessen eine zu zögerliche Haltung während der Entführung des deutschen Frachters "Hansa Stavanger" vor. "140 Tage hatte die Bundesregierung Zeit, nach Alternativen für Lösegeldzahlungen zu suchen, aber nichts ist passiert", sagte Verbandschefs Ulrich Kirsch der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Er warnte aber vor dem Versuch von Geiselbefreiungen, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Todesopfer fordern würden. Angesichts eines mysteriösen Vorfalls in der schwedischen Ostsee, wo Maskierte Ende Juli zwölf Stunden einen Frachter besetzt hatten, forderte Kirsch, "auch vor der heimischen Küste Vorsorge zu treffen - und zwar schnell".

Von den 542 Containern an Bord des "Stavanger" seien einige von den Piraten geöffnet und kleinere Waren geraubt worden, berichtete die Reederei. Ein Großteil der Container sei für Mombasa und Tansania bestimmt und könne vermutlich im Hafen gelöscht werden. Nach der Freigabe war der Frachter von zwei Fregatten der deutschen Marine eskortiert worden. Die Crew wurde von den Soldaten mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt und medizinisch betreut.  (jg/dpa)

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