Harry Potter : Lange Nacht des Lesens

Der neue Harry-Potter-Band bricht alle Rekorde. Die Fans müssen sich dauernd die Ohren zuhalten, um nicht die Lösung zu erfahren.

Cay Dobberke
Harry Potter
Potter-Mania. Run auf den letzten Band in einer Berliner Buchhandlung. -Foto: dpa

Berlin - Lange Warteschlangen vor den Buchhandlungen, Partys mit kostümierten Fans und Leser, die sich sofort in den Roman vertieften: So startete gestern früh in aller Welt der Verkauf des siebten und letzten Harry-Potter-Romans. Vor allem in Großbritannien brach der Verkauf schnell alle Rekorde: Eine Buchhandelskette mit 400 Läden setzte durchschnittlich 15 Exemplare pro Sekunde ab und eine weitere 100 000 Bände in den ersten zwei Stunden nach Mitternacht. Auch in Deutschland wurde der Roman den Buchhändlern förmlich aus den Händen gerissen.

Viele deutsche Fans, die gleich mit dem Lesen begonnen hatten, zeigten sich begeistert. „Es geht schon spannend los“, sagte gestern Nachmittag die 17-jährige Sarah Preissner, Mitbegründerin des größten deutschen Harry-Potter-Fanclubs in Berlin, die bis dahin vier Kapitel der englischen Originalfassung von „Harry Potter and the Deathly Hallows“ geschafft hatte. Eigentlich hatte sie geplant, fast die ganze Nacht hindurch zu lesen – doch nach einer langen Party in der Zitadelle Spandau war sie schließlich zu müde dafür geworden. Ihre 21-jährige Schwester Saskia fand die ersten Kapitel „gut, aber sehr düster – es gibt viel weniger lustige Stellen als in den vorherigen Bänden“.

In der Zitadelle hatten der Internetversand Amazon und der Fanclub eine „Harry Potter Akademie“ organisiert: Gleich nach dem Erscheinen des Buchs, das in Deutschland ab 1 Uhr 1 verkauft werden durfte, zogen sich Dutzende Clubmitglieder wie in einer Schulklasse in ein Gewölbe der alten Festung zurück, lasen und gaben eine Stunde später ihre ersten Eindrücke wieder. Viele fanden das erste Kapitel „ungewöhnlich“, da es nicht wie üblich mit Harry beginnt, sondern mit einem Mord, für den Harrys böser Gegenspieler Lord Voldemort und dessen Anhänger verantwortlich sind.

„Ärgerlich“ fanden Sarah Preissner und die meisten anderen Fans aber, dass zahlreiche Medien gleich Einzelheiten aus der Handlung meldeten. „Ich habe mir dauernd die Ohren zugehalten, um das Ende nicht zu erfahren“, sagte Sarah. Aber im Laufe des Tages erging es ihr wie vielen anderen: Aus dem Ton des laufenden Fernsehprogramms in ihrem Elternhaus erfuhr sie doch schon unabsichtlich, ob Harry überlebt oder stirbt.

Als weltweit schnellste Leserin gilt eine 55-jährige Britin, die für alle 607 Seiten nur 47 Minuten benötigte. Zur selben Zeit gab es im Londoner Naturkundemuseum eine Lesung mit Autorin Joanne K. Rowling. Vor hunderten Fans trug sie das erste Kapitel vor. „Ich habe es geliebt, über Harry zu schreiben“, sagte sie, „aber jetzt brauche ich eine Auszeit.“ Vor allem will die 41-Jährige erst einmal Urlaub machen. Für den deutschen Fanclub ist die Geschichte dagegen noch nicht zu Ende: Bald wollen die Mitglieder auf ihrer Internetseite www.hp-fc.de damit beginnen, selbst einen achten Band zu verfassen.

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