Welt : Hasch – kann man vergessen

Bremer Wissenschaftler haben an Ratten erforscht, dass Cannabis in der Pubertät das Kurzzeitgedächtnis schädigt und Schizophrenie fördern kann

Eckhard Stengel[Bremen]

Wer in der Pubertät regelmäßig Cannabis (Haschisch) konsumiert, schädigt sein Gehirn und kann möglicherweise sogar an Schizophrenie erkranken. Diesen Schluss zieht das Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen aus einer Versuchsreihe mit Ratten. Und erhärtet damit einen Verdacht, dem Wissenschaftler schon länger auf der Spur sind. Die Studie mit dem deutlichen Titel „Der Joint ist kein Freund“ stützt sich auf Ergebnisse, die bei Versuchen mit pubertären und erwachsenen Ratten erzielt wurden. Verhaltenspharmakologe Michael Koch, einer der beteiligten Forscher, erklärte im Gespräch mit dem Tagesspiegel, dass die Tiere während ihrer 20-tägigen Pubertät durchschnittlich jeden Tag ein künstlich hergestelltes Cannabinoid gespritzt bekamen, also einen aktiven Inhaltsstoff der Hanfpflanze „Cannabis sativa“. Die Menge entsprach umgerechnet einem täglichen Joint beim Menschen. Bei den pubertierenden Ratten registrierten die Forscher eine „deutliche langfristige Beeinträchtigung“ der Aufmerksamkeit, des Kurzzeitgedächtnisses und der Antriebskraft. Bei den ausgewachsenen Tieren zeigten sich dagegen keine Effekte.

Weil die Aufmerksamkeitsstörungen auch 85 Tage nach Ende des Cannabinoid-Konsums nicht enden wollten, verabreichten die Wissenschaftler schließlich das Antipsychotikum „Haloperidol“. Erst damit „konnte der Defekt aufgehoben werden“, sagen die Wissenschaftler. Dies sei eine Bestätigung für frühere Untersuchungsergebnisse, wonach es einen Zusammenhang zwischen pubertärem Cannabis-Konsum und der Entstehung oder Verschlechterung von Psychosen wie etwa Schizophrenie gebe.

Nach Ansicht der Bremer Forscher ist das Ergebnis der Tierstudie auch auf Menschen übertragbar, weil deren Gehirn ähnlich funktioniere wie das von Ratten. Es sei in der Pubertät besonders empfänglich für die aktiven Cannabis-Inhaltsstoffe und somit auch für deren schädliche Wirkungen. Die Wissenschaftler warnen deshalb nicht nur vor dem bei Jugendlichen weit verbreiteten Haschisch-Rauchen, sondern auch vor der zunehmenden Verwendung von Cannabis-Präparaten als Heilmittel auch bei jungen Leuten. Die Studie von Michael Koch und Miriam Schneider ist in der Oktober-Ausgabe der Fachzeitschrift „Neuropsychopharmacology“ veröffentlicht worden.

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