Welt : Hass auf Vater: Tochter erfindet Vergewaltigung

Memmingen - Ein Familienvater aus Sonthofen hat sieben Jahre unschuldig wegen vermeintlicher Vergewaltigung im Gefängnis gesessen. Das Landgericht Memmingen hob am Dienstag ein Urteil des Landgerichts Kempten vom Juli 1996 auf und sprach den Angeklagten im Wiederaufnahmeverfahren frei. Zuvor hatte die heute 33 Jahre alte Tochter des Mannes ihren früheren Vorwurf widerrufen, ihr Vater habe sie dreimal vergewaltigt. Der Mann hatte den Vorwurf stets bestritten und musste die volle Strafe absitzen.

Unter Tränen beschrieb die heute 33 Jahre alte Tochter, wie es damals zu ihrer Falschaussage kam: Zwischen ihren Eltern habe es dauernd Streit gegeben. Als sich die Eltern schließlich trennten, habe ihre Mutter sie gegen den Vater aufgehetzt. Sie habe ihr auch glaubhaft gemacht, dass er für die Krebserkrankung der Mutter mitverantwortlich war. „Mein Hass auf meinen Vater wurde immer größer. (...) Ich dachte, ich müsste mich an meinem blöden Vater rächen.“ Mit Hilfe des Terminkalenders ihrer Mutter, die inzwischen gestorben ist, habe sie damals eine Geschichte konstruiert, mit der sie Ermittler, Gutachter und später auch das Gericht überzeugen konnte.

Als es zur Verhandlung kam und ihr Vater zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, habe sie extreme Gewissensbisse gehabt – auch ihrem jüngeren Bruder gegenüber, der danach in eine Pflegefamilie kam. „Aber ich hatte nicht den Mut, zur Wahrheit zurückzukehren“, sagte die Frau, die inzwischen selber Mutter von drei kleinen Kindern ist. In den Folgejahren sei der Druck immer größer geworden. Erst als ihre eigene Tochter vor fünf Jahren auf die Welt kam, habe sie sich von der Last befreien wollen. Da der Mann zu Unrecht im Gefängnis saß, kann er mit einer Entschädigung rechnen. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben