Welt : Hat Rieken weitere Kinder getötet?

CLOPPENBURG (AP/AFP).Die vier Polizisten lassen jeden Erdklumpen durch die Hände gleiten.Krümel zerreiben sie mit Latexhandschuhen.Daneben stehen im Ipweger Moor bei Oldenburg zwei andere Beamte und schaufeln neuen Dreck aus einem Graben nach oben.Die Männer und Frauen suchen nach Kleidung und Leichenteilen der ermordeten Ulrike Everts."Uns soll nichts entgehen", sagt Einsatzleiter Ludger Elser.

Sie hoffen auf weitere Beweise gegen den Mädchenmörder Ronnie Rieken.Der 30 Jahre alte Mann hatte auch den Mord an der seit zwei Jahren vermißten Ulrike Everts aus dem kleinen Ort Jeddeloh II gestanden.Vorher hatte er schon den Mord an der elfjährigen Christina Nytsch zugegeben, sowie eine Vergewaltigung.Am Dienstag fanden die Beamten den Schädel der Leiche von Ulrike, eine Zahnanalyse bestätigte die Identität.Das Mädchen war von einer Ponykutschfahrt nicht mehr heimgekehrt.Jahrelang hatten die verzweifelten Eltern nach ihrer Tochter in ganz Europa gesucht.

Anhand eines sogenannten Bewegungsbildes hat die Polizei in Cloppenburg dem nach einem Massengentest überführten Mörder der elfjährigen Christina nachgewiesen, daß er genau für den Tag, an dem die zwei Jahre lang vermißte Ulrike verschwand, kein Alibi besitzt.Er hatte am 11.Juni 1996 unentschuldigt bei der Arbeit gefehlt.Mit dem fehlenden Alibi und dem Entführungsort konfrontiert, gestand er nach wochenlangem Leugnen auch die Vergewaltigung und Ermordung von Ulrike.

Das erstellte Bewegungsbild gleicht die Polizei in Cloppenburg derzeit mit rund 50 Fällen von bundesweit vermißten Kindern ab.Zu den offenen Fällen, die geprüft werden, gehört auch das Verschwinden von Seike Sörensen aus Drelsdorf im Norden Schleswig-Holsteins.Vor fünf Jahren - am 5.August 1993 - war die elfjährige blonde Schülerin auf dem Heimweg spurlos verschwunden."Wir überprüfen das, aber nicht, weil es einen konkreten Verdacht gibt, sondern weil gewisse Übereinstimmungen vorliegen", sagte ein Sprecher der Kripo Flensburg.Das Amtsgericht Oldenburg hat den Haftbefehl gegen den dreifachen Vater Rieken inzwischen wegen des Mordes an Ulrike Everts erweitert.Im Ipweger Moor nahe Oldenburg fand die Polizei am Mittwoch weitere Teile der am 11.Juni 1996 ermordeten 13jährigen.

Rieken ist ein Serientäter: Ende der 80er Jahre hatte er eine 17jährige Verwandte vergewaltigt und war vom Landgericht Oldenburg deshalb zu einer fünfeinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.Im Januar 1996 verschleppte er nach eigenem Geständnis in Neuscharrel bei Cloppenburg eine Elfjährige, mißbrauchte sie und ließ sie laufen.Ein halbes Jahr später ermordete er Ulrike, im März 1998 dann Christina.

Zu den offenen Fällen, die geprüft werden, gehört auch das Verschwinden von Seike Sörensen aus Drelsdorf im Norden Schleswig-Holsteins.Vor fünf Jahren - am 5.August 1993 - war die elfjährige blonde Schülerin auf dem Heimweg spurlos verschwunden."Wir überprüfen das, weil gewisse Übereinstimmungen vorliegen", sagte ein Sprecher der Kripo Flensburg.

STICHWORT

Das Bewegungsbild Riekens

Das wichtigste Instrument, mit dem die Polizei den Serientäter Ronny Rieken überführen will, ist das Bewegungsbild.Die Polizei will die vergangenen zwölf Jahre im Leben des Mannes möglichst lückenlos nachzeichnen.Bei einem solchen Bewegungsbild hat die Polizei zwei Möglichkeiten.Sie kann an der Reihe der noch offenen Verbrechen entlang arbeiten und prüfen, was er an den entsprechenden Tagen gemacht hat.Die Polizei ging bei Rieken aber den zweiten, weitaus aufwendigeren Weg, erklärte Soko-Sprecher Albers."Wir sammeln die Daten, wann sich Rieken wo und warum aufgehalten hat.Wir versuchen das Leben des Mannes Tag für Tag aufzuarbeiten." Bei solchen Ermittlungen setzt die Polizei nicht nur auf die Erinnerungen des Verdächtigen und seines Verwandten- und Bekanntenkreises.Es wird dafür alles herangezogen, was sich finden läßt - Kontoauszüge, Quittungen von Tankstellen, Krankschreibungen von Ärzten und auch die Daten von Arbeitsamt und Arbeitgeber.Im Fall Rieken sind dabei mehr als 30 000 Eintragungen in einer Datensammlung zusammengekommen.Die Daten von anderen Verbrechen werden ebenfalls erfaßt.Der Computer prüft dann automatisch, ob ein Zusammenhang bestehen kann.Riekens Bewegungsbild ist schon in den vergangenen zwei Jahren lückenhaft, sagt Albers: Der 30jährige war in der Vergangenheit häufiger tagelang allein irgendwo in Deutschland unterwegs.AFP

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