Welt : Haustiere hinter Gittern Schweizer Häftlinge dürfen eigene Katze haben

Kathrin Schich

Saxerriet - Eigene Haustiere führen zu einem beruhigenden Effekt in Häftlingsgemeinschaften. Das ist das Ergebnis einer Studie am Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie im schweizerischen Hirzel. Die Pädagogin Nadine Nef führte in der offenen Männerstrafvollzugsanstalt Saxerriet, wo die Insassen schon seit Jahren eigene Katzen haben, Interviews durch. Demnach sehen die Insassen „ihre“ Katze nicht nur als loyalen Gegenüber, auf den sie ihre Zuwendung konzentrieren. Die Tiere sind auch neutrales Gesprächsthema mit anderen. „Tiere stärken das Selbstvertrauen und erziehen zu Verantwortung“, ist Anstaltsleiter Martin Vinzens überzeugt. Auf dem 170 Hektar großen Gelände mit eigenem Bauernhof gab es früher bis zu 20 Katzen, heute sind es noch sechs, zwei davon gehören momentan Häftlingen. Am Ende dürfen die Gefangenen ihre Katze bei der Entlassung sogar mitnehmen. Doch die Anforderungen sind hoch: Nur wer nicht durch Gewalt auffällt und genug Zeit für das Tier hat, bekommt eine Katze. Die Paten müssen ihre Katze selbst finanzieren. Dafür dürfen die Tiere nachts sogar mit in der Zelle ihres Herrchens schlafen, vorausgesetzt, dort ist ein Katzenklo aufgestellt.

Was in Saxerriet erfolgreich funktioniert, ist in Deutschland undenkbar. „Bei uns sind die Gefängnisse überbelegt, viele Häftlinge wohnen in Zweibett-Zimmern. Wie soll da artgerecht eine Katze gehalten werden?“, gibt Andrea Boehnke von der Berliner Senatsverwaltung für Justiz zu bedenken. Die Insassen im Männergefängnis Tegel müssten sich mit einem Gemeinschaftsaquarium zufrieden geben. Vier zugelaufene Katzen gibt es zwar auch. Die dürften aber nur bleiben, weil sie Mäuse fangen. Generell ist es den Häftlingen in Deutschland laut Gesetz erlaubt, ihre Zelle persönlich auszustatten. Ob dazu allerdings auch ein Tier gehört, darf jede Anstalt selbst entscheiden. Während Hunde und Katzen überall verboten sind, erlauben Brandenburg und Bayern Vögel in den Zellen, in Niedersachsen sind sogar Hamster möglich. Generell verboten sind Tiere in Gefängnissen in Thüringen und Berlin. Ein Häftling in Tegel konnte das kürzlich nicht einmal auf dem Rechtsweg ändern: Er wollte einen Wellensittich haben und klagte sich bis zum Kammergericht vor - vergeblich, die Geräuschbelastung sei zu hoch, hieß es in der Urteilsbegründung.

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