Welt : Haute Couture: China ist der letzte Schrei

Jean-Paul Gaultier, der derzeitige Liebling der Pariser Modewelt, zeigte bei den aktuellen Haute-Couture-Modeschauen für die Herbst-Winter-Kollektion 2001/2002 eine farbenfrohe und üppige Kollektion im chinesischen Stil. Inspiriert vom Reich der Mitte begeisterte er mit Hosen aus Seide, kombiniert zu Chiffon-Tops und Jacken im Tunika-Stil. Seine Kleider und Blusen haben den klassischen chinesischen Spitzenkragen, sie sind bestickt mit Vogel- und Pflanzenmustern. Zu Lederhosen zeigt er kurze Boleros oder Pelzjacken.

Mit Federn betont Gaultier die Schultern bei seinen Abendkleidern. Auch hier taucht immer wieder der chinesische Kragen im Suzie-Wong-Stil auf; zu den Kleidern trägt die Frau Bolero-Jacken oder einen Paletot.

Givenchy geht auf dem Weg nach vorne einen Schritt zurück: Nach der "Experimentierphase" des Couturiers Alexander McQueen hat sich der neue Designer des Modehauses, Julien MacDonald, auf die klassische Eleganz einer Audrey Hepburn zurückbesonnen. Bevorzugte Farbe: schwarz.

Das MacDonald-Debut in Paris war mit Spannung erwartet worden. Schließlich hatte sein Vorgänger bei Givenchy, der Exzentriker McQueen, in den vergangenen Jahren stets für Aufregung gesorgt und schließlich mit der überstürzten Absage seines Haute-Couture-Defilées im Januar auch Modehaus-Chef Hubert de Givenchy verärgert. MacDonald geht einen anderen Weg: Mit seinen schlichten, meist einfarbigen Modellen setzte er sich von Anfang an nachhaltig von McQueen ab.

Der 28-jährige Brite präsentierte elegante Kostüme, oft in Schwarz, kombiniert mit farblich abgestimmten Seidenblusen. Zu hochgeschlossenen, geradezu puristisch wirkenden Oberteilen tragen die Models enge Röcke oder gerade geschnittene Hosen. Wo McQueen übertrieb, zeigt MacDonald Understatement: Wenig Schmuck, kaum Stickerei, kein Glitzer, Zurückhaltung bei den Farben.

Seine Modelle heben die Weiblichkeit hervor: Die Taille wird betont, die Kleider sind meist eng geschnitten. Bevorzugte Materialien sind Mousseline und Organza, aber auch Spitze, Leder- und Wollstoffe.

Ihre Vorliebe für Origami hat die Südkoreanerin Ji Haye noch nie verhehlt. Und auch diesmal zeigte sie Kleider aus mehreren Stoffbahnen, die Röcke gefaltet, drapiert und geplustert. Einen schmückten riesige Blumen, einen anderen Straußenfedern. Hosen aus Straußenleder, ein graukarierter Anzug aus Seide, mit aufgedruckten silbernen Blättern bildeten den Kontrast zu den üppigen Kleidern.

Für Überraschung sorgte der noch ziemlich unbekannte litauische Designer Juozas Statkevicius, der seine Kollektion abseits der großen Haute-Couture-Schauen vorführte. Er bewies, dass sich Extravaganz und Eleganz nicht ausschließen müssen und zeigte pastellfarbene Abendkleider aus wollener Spitze, einen Hosenanzug mit gold-, braun- und kupferfarbenen Streifen zu einer kurzen Brokatjacke, ein grünes Ensemble mit fransigem Oberteil und engem Rock. Immer wiederkehrendes Motiv: Kreise in den verschiedensten Größen und Farben, die Röcke, Blusen und Kleider schmückten.

Valentino ist ein äußerst vornehmer und höflicher Mensch - Eigenschaften, die sein Personal am Sonntagabend komplett vermissen ließ. Brüsk und arrogant wiesen sie viele Gäste ab, die das Pariser Haute Couture Defilee des römischen Designers besuchen wollten. Während sich die Mode hier von ihrer hässlichen Seite zeigte, darf sie auf dem Laufsteg brillieren. Fantasievolles aus exotischen Kulturen bestimmte die ersten drei Tage der noch bis Mittwoch laufenden Präsentationen der maßgeschneiderten Kreationen für den kommenden Herbst und Winter. Doch auch mit Schwarz ist zu rechnen.

Auch der Italo-Amerikaner Carlo Ponti greift fast ausschließlich auf Schwarz zurück. Streifen laufen bei seinen Modellen spiralförmig um den Körper. Ein kurzes Cape-Kleid wird gebauscht, ein Reif aus Fuchsfell um den Hals gelegt und so zum Kleidungsstück.

Adeline Andre gehört wie Ponti zu den Designern, die sich mit kleinen und individuellen Kollektionen im Umfeld der mächtigen Couture-Häuser behaupten wollen. Die Französin experimentiert mit Taschenformen, setzt etwa vier auf die Vorderseite, zwei auf das Rückteil oder lässt sie aneinander gereiht seitlich am Körper entlangfallen. Am weit geschnittenen Hosenbein gibt es einen dekorativen Riegel.

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