Welt : Hautpflege: Geschichte: Was Ägypter alles wussten

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Es stanken die Hütten, es stanken die Paläste", im vorrevolutionären Frankreich, wie es Patrick Süskind in das Parfüm beschreibt, hielt man nicht viel von Körperpflege - mit atemberaubenden Folgen für die Sinne. Wer es sich leisten konnte, griff zur Kosmetik - nicht um die Schönheit seiner Jugend möglichst lange zu bewahren, sondern um körperliche Defizite zu überspielen. Pockennarben und unreine Haut verbargen sich unter reichlich aufgetragener Schminke. Vielleicht hat solch ästhetische Verirrung die französische Revolution am Ende beschleunigt. Dem aufstrebenden Bürgertum jedenfalls war der "eitle Putz" reichlich zuwider. Ein Wendepunkt in der Geschichte der Kosmetik.

Die begann nachweislich sehr viel früher. Die Völker am Nil ummalten sich nicht nur schon seit der Steinzeit die Augen, ob zum Lob der Götter oder zum Schutz vor Fliegen wird unter Experten noch diskutiert. Sie waren auch in der Lage, flüchtige Aromastoffe an tierische Fette oder pflanzliche Öle zu binden, um sich mit solch wohlriechender Mixtur die jugendlich-straffe Haut möglichst lange zu bewahren. Gründe zu solcher Vorsorge gab es reichlich. Meist nur mit einem Lendenschurz bekleidet setzten Könige wie Kulis ihren Leib der sengenden Sonne Nordafrikas aus und feiner Sand drang in jede Pore. Seife zur Körperreinigung war noch nicht zur Serienreife gelangt. Ohne Seife aber kann man den hartnäckigen Film aus Schmutz und Sand nur runterrubbeln, wasserlöslich ist er nämlich nicht. Oder aber man verwendet wie die Ägypter eine ölhaltige Reinigungslotion.

Duftende Öle genossen kultische Verehrung, waren fester Bestandteil königlicher Bestattungsriten. Verwesungsgeruch kündete den Ägyptern von der Verderbnis, Wohlgeruch galt ihnen als Symbol ewigen Lebens. Weshalb sie ihre toten Könige reichlich salbten und ihnen jede Menge Kosmetika mit auf den Weg gaben. 350 Liter dürften es im Grab des jungen Königs Tut anch Amun gewesen sein, schätzten die Archäologen. Der Geruch war freilich längst verflogen.

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